Echte Geschenke sind bedingungslos

Die Vorweihnachtszeit bricht mit Macht über uns herein. An den langen Samstagen hetzen die Menschen durch festlich geschmückte Einkaufszentren, schwer bepackt mit Geschenken. Die meisten Menschen schenken gerne und warten auch sehnsuchtsvoll darauf, selbst beschenkt zu werden. Weihnachtsgeschenke sollen Freude bringen, die Augen des Beschenkten sollen strahlen doch oft ist das Gegenteil der Fall. Weihnachtsgeschenke verursachen Enttäuschung und Ärger.

Weihnachtsgeschenke können viel von dem verraten, was wir nur unbewusst fühlen, wie wir tatsächlich zu dem Beschenkten stehen. Wenn man weiß, dass Weihnachtsgeschenke sehr viel mehr sind als einfache Gaben, nämlich Ausdruck der inneren Beziehung, die man zu dem Menschen hat, den man beschenkt, dann gibt es weder Enttäuschung noch Ärger.

Psychologen wissen, dass das Strahlen in den Augen des Beschenkten Ausdruck dafür ist, dass sich ein Mensch in seinen Wünschen damit in seiner Seele verstanden fühlt. Die Seele erweitert für einen Moment ihre Oberfläche und zeigt sich als Strahlen in den Augen. Dies ist ein beseelter Moment. Und schließlich ist genau das der Wunsch beim Schenken: Weihnachtsgeschenke sollen Freude und Glückseligkeit erzeugen.

Wunsch nach Nähe

Die heftigen Gefühle, die beim Schenken entstehen, zeigen auf, wie schwer es ist, diesen Glückszustand auf beiden Seiten zu erreichen. Die Gefühlspalette reicht bei den Beteiligten von Freude bis zu Wut, Ärger, Verletzung.  Grundsätzlich kann Schenken immer als Wunsch nach Nähe verstanden werden. Denn wer schenkt, nimmt zunächst gedanklichen Kontakt mit seinem Gegenüber auf.

Schenken kann aber auch den Charakter eines „Geschäftes“ annehmen, dann, wenn der Beschenkte mit dem Geschenk abhängig gemacht oder eingekauft werden soll, wenn von ihm Dankbarkeit oder Gegengeschenke erwartet werden. Echte Geschenke sind vollkommen bedingungslos.

Wie schenkt man richtig?

Den zu Beschenkenden das ganze Jahr über bewusst wahrnehmen, dann erfährt man nach und nach seine geheimen Wünsche, die nicht unbedingt vor Weihnachten geäußert werden. Würdige Geschenke bedeuten immer eine tiefe Auseinandersetzung mit dem andern. Das schafft man nicht drei Tage vor Weihnachten, dem ohnehin „gefährlichsten Fest“ des Jahres.

Liege ich richtig?

Wie sagte doch Berthold Brecht im Hinblick auf die reizvolle Tiefgründigkeit des Schenkens: „Welche Verführung zu schenken.“ Schließlich bedeutet Schenken.“ auch eine Art verbindende Spannung. Wie wird der andere reagieren?

Blickpunkt 209 vom 13. Dezember 2007