Klagenfurt, Deine Sport(g)stätten

Foto: Stadtpresse Klagenfurt / Horst

Die Landeshauptstadt Klagenfurt brüstet sich auf der offiziellen Homepage des Magistrats als Sportstadt Nummer 1 in Österreich. Jeder dritte Bürger ist in irgendeiner Form mit dem Sport verbunden und fast 50 Vereine in überregionale Meisterschaften involviert. Aber wie sieht es mit den Sportanlagen aus? Eine Bestandsaufnahme von Gerhard Klinger via Google Earth.

Wir beginnen unsere Rundreise beim neuen Wahrzeichen Klagenfurts, dem "Hufeisen" in Waidmannsdorf. Dort, wo noch vor Monaten das alte Wötherseestadion (Baujahr 1958) vor sich hindümpelte, erhebt sich ein imposanter, hochmoderner High-tech-Bau. Hier werden im nächsten Jahr drei Spiele zur Fußball-EM stattfinden, hier wird der neue T-mobile-Ligist Austria Kärnten ab September seine Heimspiele bestreiten. Hier soll auch nach der EM das Ballspielkompetenzzentrum Österreich-Süd seine Heimat finden, wo Handballer, Basketballer und Volleyballer ihre Trainings- und Wettkampfeinheiten abspulen können.

Derzeit sind diese kleinen Ballspielarten auf ganz Klagenfurt verteilt. Die Wildcats-Volleyballerinnen in der Sporthalle Lerchenfeld, die Basketball-Wörthersee-Piraten in St. Peter, die HCK-Handballer in Viktring und die SVVW-Handballer in St. Ruprecht, wo auch die BadmintonspielerInnen von ASKÖ Klagenfurt zu Hause sind.

Diese Hallen als Sporthallen zu bezeichnen und als Aushängeschild einer Sportstadt wäre allerdings vermessen. Zuerst kommen die Schulen, dann erst... Alle diese Hallen sind Schulhallen und stehen zu Unterrichtszeiten den Vereinen nicht zur Verfügung. Ein Vormittagstraining ist nahezu unmöglich. Da diese Hallen alle Universalhallen, also Mehrzweckhallen, sind, sind sie kaum sportartspezifisch ausgerichtet, sieht man von St. Peter (Basketball) und Lerchenfeld (Volleyball) ab.

Nur Insider kennen sich beim Linienwirrwarr in St. Ruprecht oder Viktring aus und um die Trainingszeiten gibt es alljährlich einen regelrechten Kampf der Vereine untereinander. Bei Wettkämpfen müssen die Transparente jeweils händisch aufgehängt werden, die Tribünen sind nicht gerade zuschauerfreundlich ausgerichtet, für die Bewirtung der Zuschauer müssen alle Vereine immer wieder improvisieren und die gesamte lukullische Infrastruktur auf- und abbauen.

Mit den Beleuchtungen in den Hallen ist es auch so eine Sache. Kaum eine Spielstätte (Ausnahme St. Peter) ist von der Helligkeit her voll fernsehtauglich, in St. Ruprecht bringen am Abend nicht einmal mehr die besten Fotoprofis eine bewegte Aufnahme in annehmbarer Qualität zusammen.

Eishockeystadt

Da Klagenfurt als Eishockeystadt Tradition hat, führt uns der nächste Weg zur Eishalle. Die Messehalle wurde zwar in den letzten fünf Jahrzehnten oftmals adaptiert, aber sie ist eine Mehrzweckhalle geblieben, in der keine internationalen Bewerbe (wie Weltmeisterschaften) mehr ausgetragen werden dürfen. Die einzigartige Atmosphäre auf den Stehplätzen in der Stadthalle ist zwar der Garant für eine gute Atmosphäre, aber entspricht sicher nicht dem Komfortanspruch eines normalen Eishockey-Besuchers.

Wasserballer suchen Wasser

Nun aber weiter zum Hallenbad. Einst Spielstätte des Wasserballmeisters SV Wörthersee. Die Wasserballer haben den Spielbetrieb eingestellt, wegen der unmöglichen Trainingszeiten für den Nachwuchs. Die Schwimmer kämpfen mit den Triathleten und anderen Vereinen um Trainingszeiten und müssen in andere Städte ausweichen. Über das Sportbad im Strandbad hüllt man besser den Mantel des Schweigens, ein Schwimmbiotop, wie es besser nicht sein kann, völlig untauglich für Training und Wettkämpfe.

Leichtathletik: nicht in Klagenfurt!

Auf der Suche nach einer zeitgemäßen Leichtathletikanlage müssen wir passen, die gab es einmal im alten Wörtherseestadion. Die Leichtathleten sind aus Klagenfurt ausgewandert, trainieren zum Teil in Feldkirchen. Aber der Bau einer LA-Anlage in der Nähe von Lendorf soll geplant sein. Bleiben einstweilen nur die privaten klassischen Sportplätze im Herbertgarten, in der Kaserne Lendorf, der KAC-Platz oder die Postsportanlage Hörtendorf, wo es zumindest noch (Aschen)Laufbahnen gibt. Und da gibt es seit kurzem eine eigene Halle beim Universitätssportinstitut, doch diese ist nicht als Dreifachturnsaal konzipiert worden, also nicht hallenfußball- bzw. handballtauglich.

Fazit: Die Leistungen der Klagenfurter SportlerInnnen, TrainerInnen und Funktionäre sind einer Sportstadt würdig, die Infrastruktur bei den Sportstädten hat, bis auf das neue Stadion, noch etwas Nachholbedarf.

Erstmals veröffentlicht: Blickpunkt und www.blickpunkt.cc