Unterwäscheverkäufer als Präsident

Während selbsternannte Fußball-Experten dunkle Gewitterwolken über den SK Austria Kärnten heraufziehen sehen, ein EM-Botschafter ihn als Person „im Nadelstreif mit Rama in den Haaren“ bezeichnet, der Präsident des Kärntner Fußballbundesligisten, Mario Canori, geht seinen Weg unbeirrt weiter, seinen Fußball als Ware, „wie Unterwäsche“ zu verkaufen.

 

 „Unser Ziel und unsere Botschaft sind ganz klar“, sagt Mario Canori, „wir wollen bei den Kärntnerinnen und Kärntnern maximale Affinität zum Fußball erreichen, wir sind schließlich Gastgeber der Fußball-EM 2008.“ Und dieses Ziel will der ehemalige Vizebürgermeister der Landeshauptstadt mit guten sportlichen Leistungen seines Klubs SK Austria Kärnten in der höchsten österreichischen Spielklasse erreichen.

Der 43-Jährige hat seinen Ausstieg aus dem Klagenfurter Stadtsenat nicht bereut. „Mein Standing in der Bevölkerung hat sich in den letzten 18 Monaten stark gewandelt. Wenn ich früher, damals als Stadtsenatsmitglied, zum Pumpe gegangen bin, hat man mich nicht einmal ignoriert. Heute schüttelt mir fast jeder die Hand. Die Leute haben mittlerweile erkannt, dass ich als Wirtschaftstreibender und Firmenmanager meinen Mann stehe und mit meinem Team gute Arbeit für den Fußball in Klagenfurt und Kärnten leiste.“

Gestählt durch die jahrelangen Anfeindungen von den politischen Mitbewerbern, bringen Mario Canori auch die verbalen Untergriffe des Klagenfurter EM-Botschafters Rainer Calmund nicht aus dem Gleichgewicht, er hat die starken Sprüche des um die Mitte sehr starken ehemaligen Bayer-Leverkusen-Managers nicht einmal kommentiert.

Die Kompetenzen beim SK Austria Kärnten sind klar verteilt. „Trainer Walter Schachner kümmert sich um das Sportliche, bietet mit seinen Schützlingen ehrlichen Fußball, der beim Publikum ankommt, unsere Aufgabe ist es, eine professionelle Organisation auf die Beine zu stellen, eine Unternehmenskultur zu leben, die auch als solche wahrgenommen wird, dabei kommt kein einziger Funktionär aus der Fußballwelt“, erklärt der Präsident die ganz klare Aufgabenverteilung.

Derzeit haben Canori und sein Team alle Hände voll zu tun. Da unvorhersehbare Mehrkosten für die Bespielung des EM-Stadions aufgetaucht sind, musste der budgetierte Zuschauerschnitt bei den Heimspielen von bisher 8000 Tickets auf 10.000 Tickets (bei einem Durchschnittspreis von 12 Euro pro Karte) erhöht werden.

„Die ersten Erfahrungen aus dem Spiel gegen die Austria Wien haben gezeigt, dass wir mit mindestens 40.000 Euro als Tagesspielkosten rechnen müssen, die zum überwiegenden Teil an die Stadionbetreibergesellschaft abgeliefert werden“, gibt der ehemalige Politiker Einblick ins Wirtschaftsunternehmen SK Austria Kärnten.

Zirka ein Drittel (35 Prozent) des Budgets für die Bundesliga muss durch die Zuschauereinnahmen finanziert, der Rest durch Sponsoren und TV-Gelder hereingebracht werden. Zusätzliche Kosten verursacht derzeit der Trainingsbetrieb, denn bis zur Euro ’08 muss der SK Austria Kärnten in Moosburg trainieren.

„Um unser Budget über die Runden zu bringen, müssen wir versuchen, zusätzliche Zuschauer ins Stadion zu bringen und/oder einen zusätzlichen Großsponsor aufzureißen“, definiert Canori klar die nächsten betriebswirtschaftlichen Ziele. Bei den TV-Geldern liegen die Kärntner recht gut im Rennen, da neben dem Sockelbetrag noch zusätzlich Geld aus dem Österreicher-Topf lukriert werden kann. Je mehr und je öfter junge österreichische Spieler zum Einsatz kommen, desto mehr gibt es aus diesem Topf. In der laufenden Wertung liegt der SK Austria Kärnten auf Platz zwei hinter Ried.

Zum Thema Zukunft und geplantem Rückbau des Stadions nach der EM meint Präsident Mario Canori: „Es gibt nur ein einziges Argument gegen den Rückbau, und das ist ein sportlich erfolgreicher Heimatverein, der regelmäßig Zuschauermassen mobilisieren kann. Wir hoffen, dass wir schon am 7. Oktober beim Heinspiel gegen Rapid alle 28.000 aufgelegten Karten verkaufen können.

Es sollte uns gelingen, die Ware Fußball beim Kärntner Publikum zu positionieren, Emotionen zu verkaufen. Mit Emotionen kann man gut verkaufen, das weiß ich auch aus meiner Branche, dem Segment Unterwäsche.“

Übrigens der Marktwert des SK Austria Kärnten wird derzeit auf 12 Millionen Euro geschätzt, Tendenz wegen der Nachwuchs-Nationalspieler steigend.

 

Blickpunkt 204 vom 27. September 2007