Wenn Frauen nach den Sternen greifen

Helga Grafschafter

Am 8. März 1908 demonstrierten in New York erstmals Sozialdemokratinnen für mehr Frauenrechte. Konkret ging es damals um das Frauenwahlrecht, aber auch um einen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Seit diesem Tag gilt der 8. März als Internationaler Frauentag. Gedanken zum Thema „Emanzipation“ von der Frauen- und Gleichbehandlungsbeauftragten des Landes, Helga Grafschafter.

Seit 100 Jahren kämpfen Frauen um gleichen Lohn für gleiche Arbeit bislang vergeblich. „Der Unterschied macht bis zur Pension 60 Prozent aus. Frauen verdienen nicht einmal zwei Drittel dessen was ein Mann in seiner Lebensarbeitszeit verdienen kann und das bei gleicher Tätigkeit“, rechnet Helga Grafschafter vor. Bestätigt wird diese Ungleichheit durch Zahlen der Statistik Austria. Das mittlere Nettojahreseinkommen betrug 2006 in Österreich bei Männern 20.005 Euro, bei Frauen 13.334 Euro. Auch im öffentlichen Dienst beträgt der Unterschied in der Entlohnung bei 3000 Euro im Jahr.

Die Frauen- und Gleichbehandlungsbeauftragte hat noch andere frauenfeindliche Ungereimtheiten in der Arbeitswelt festgestellt: „Männer bekommen leichter Zulagen als Frauen, schaffen leichter den beruflichen Aufstieg und gelangen wesentlich schneller in Führungspositionen, dazu kommt noch, dass Frauen weniger ums Geld kämpfen, und wenn, dann bekommen sie es auch nicht. Dass Frauen mit Herz und Emotion führen und entscheiden, wird ihnen zum Nachteil ausgelegt, obwoh eindeutig bewiesen ist, dass Frauen bessere Personalentscheidungen fällen als ihre männlichen Kollegen. In vielen Fällen sollte eigentlich die Leistung der weiblichen Mitarbeiter höher bewertet werden als jene der männlichen, denn Frauen können fünf Dinge nebeneinander erledigen, Männer nicht.“

Schlechter bezahlt 

Rein von der gerechten Entlohnung her hat sich also in den letzten Jahren nichts geändert Frauen verdienen einfach weniger als Männer, dies wird besonders krass in den Sozialberufen deutlich gemacht. Kindergärtner und Volksschullehrer sind eher die Ausnahme als die Regel, beide Berufe gelten als schlechter bezahlte Frauendomänen. „Es ist traurig, erkennen zu müssen, wie der Staat zwar in besser ausgebildete Frauen investiert, diese jedoch wegen der schlechten Bezahlung lieber zu Hause bleiben. Das ist ein Verlust für die Gesellschaft.“

Der „Griff nach den Sternen“ als Motto für den diesjährigen Internationalen Frauentag ist nicht so utopisch wie er auf den ersten Blick erscheint. „Die Gesellschaft verändert sich, das Patriarchat ist auf Dauer nicht mehr haltbar, da nützen auch die ständigen frauenfeindlichen und nicht familienfreundlichen Aussagen des Papstes nichts mehr. Wie in der Medizin, wo die weibliche Homöopathie der männlichen Schulmedizin schon nahezu gleichgestellt wurde, wird auch die Gesellschaft zusehends weiblicher.“

Erst 1880 durfte die erste Frau Medizin studieren, im Mittelalter wurden 150.000 Frauen als Hexen am Scheiterhaufen verbrannt, weil sie Naturheilkunde betrieben. Besonders krass ist die Situation am gynäkologischen Sektor in Kärnten. Es gibt derzeit keine einzige niedergelassene Frauenärztin mehr, das führt in Folge dazu, dass immer weniger Frauen über 50 sich einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung unterziehen, da sie lieber von Ärztinnen untersucht werden wollen.

Weibliche Urologen

„Oder können sie sich vorstellen, dass Männer über 50 ihre urologischen Vorsorgeuntersuchungen nur bei Ärztinnen machen lassen können. Dass die Medizin in Österreich immer noch eine männliche Domäne ist, geht auch aus der Tatsache hervor, dass es ausschließlich männliche Herzinfarktpatienten waren, die bislang mit Hubschraubern transportiert wurden.“ Helga Grafschafter ist  überzeugt, dass sich das Pendel der Gleichberechtigung in Richtung Frauen hinbewegt und hofft, dass sich die Männer emanzipieren, das Gemeinsame herausgefiltert wird.

„Es fängt schon damit an, dass es Wickeltische nicht mehr ausschließlich auf Damentoiletten gibt, sondern in neutralen Räumen. Gute wäre es allerdings auch, wenn die Frauen nicht männlich leben würden, denn dann könnte man als Mann gleich einen Mann heiraten.“

Zahlen und Fakten

Von den 90.000 Kärntner Familien sind 30.000 mit allein erziehenden Müttern. Zehn von elf Kindern in Kärnten werden von Frauen erzogen. Bei den Teilzeitbeschäftigten verzeichneten die Frauen einen Zuwachs von 6,6 Prozent, die Männer nur 1,6 Prozent. 74.000 der 180.000 Beschäftigten in Kärnten sind nicht ganzjährig beschäftigt. Über 80 Prozent der weiblichen Beschäftigten sind Teilzeitkräfte. Immer mehr Frauen zerbrechen an der Doppelbelastung Familie und Beruf, leider unter Burn-out-Syndromen, speziell, wenn sie im Handelsbetrieben mit familienfeindlichen Arbeitszeiten tätig sind.

 

Blickpunkt 213 vom 28. Feber 2008