Energiesteuer

Alle Jahre wieder taucht das Gespenst der Energiesteuer auf, wie das Ungeheuer von Loch Ness. Diese „Steuernessie“ ist eine Umweltsteuer auf Energie und wird fossile Brennstoffe wie Benzin und Diesel noch teurer machen. Als Gegenzug sollen dafür die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsabgaben gekürzt werden. Dänemark hat erst vor nicht einmal einem Jahr diesen Steuerumschwung angekündigt.

Die Frage, ob eine Besteuerung der Arbeit weiterhin sinnvoll ist, stellen sich Ökonomen schon seit Jahrzehnten, denn, je mehr wir in Österreich arbeiten, desto höher sind die Sozialabgaben und die Lohnsteuer, quasi der Fleißige wird bestraft. Da passt doch die Diskussion um die steuerfreie Auszahlung der Überstunden für jene Beamten und Sicherheitskräfte, die bei der Fußball-Europameisterschaft fast rund um die Uhr im Einsatz waren, ganz gut dazu.

Doch was bringt es wirklich, anstatt der Arbeit die Energie zu besteuern? Fakt ist, und dafür braucht man kein Wirtschaftsstudium, dass die Wirtschaft und die Politik die Energie als Produktionsfaktor ignorieren.

Adam Smith, der Vater der klassischen Nationalökonomie, hat im 18. Jahrhundert(!) das Kapital, die menschliche Arbeitskraft und den Boden als die „drei Produktionsfaktoren“ festgelegt. Dass der Faktor menschliche Arbeitskraft durch die Industrialisierung und Technisierung immer mehr durch Motoren und Computer, also durch „Energie“, ersetzt wurden. Der Faktor menschliche Arbeit ist mittlerweile so teuer und die Energie, der Grundstoff für die Produktion, so billig geworden, dass es „billiger“ ist, Massenprodukte neu zu kaufen als kaputte Produkte zu reparieren.

Ein drastisches Beispiel liefert die Aluminiumproduktion. Aluminium war Ende des 19. Jahrhunderts sehr teuer und wurde nur sparsam eingesetzt. Kein Wunder, kostete doch damals eine Kilowattstunde Strom nach heutiger Kaufkraft 20 Euro. Die energieintensive Produktion von Aluminium war also zu teuer. Heute ist auf Grund der zu damals billigen Energiepreise das Aluminium tausendmal billiger als von 100 Jahren.

Es ist schon pervers, dass die Ankündigung von Massenentlassungen bei multinationalen Konzernen die Aktien der Firma auf der Börse zum Steigen bringen.

Wenn Arbeitsplätze vernichtet werden, dann floriert die Wirtschaft, dieser Trugschluss wird sich schon bald als Fehler herausstellen. Wachstum ist nicht die Lösung.

Immer weniger Menschen können mit Hilfe der Energie immer müheloser mehr produzieren, da kann nur der Faktor Arbeitsplatz auf der Strecke bleiben.

Als einziges Gegenkonzept wird von vielen Querdenkern eine komplette Strukturwende hin zur Energiebesteuerung gefordert. Energiefressende Maschinen und Computer zahlen keine Lohnsteuer, haben aber zahlreiche Arbeitsplätze gefressen.

Mit einer zusätzlichen Energiebesteuerung werden zwar alle Produkte teurer, die energieaufwendige Grundstoffe enthalten. Es werden auch alle Produkte teurer, die von weit her (unter hohem Energieaufwand) herantransportiert werden. Energieintensive Produkte werden zum Luxus, die  Ressourcenverschwendung wird gebremst und es ergibt sich ein ökologischer Nutzen. Dazu verbessert sich die Qualität der Produkte.

Es werden wieder solide, reparaturfreundliche Geräte hergestellt, die man im Fall eines Defektes zur Reparatur geben kann und nicht wegwirft. Und letztlich wird der Faktor menschliche Arbeit wieder billiger werden und das Angebot an freien Arbeitsplätzen wieder steigen.

Blickpunkt 223 vom 24. Juli 2008