Klagenfurter Bunkergeschichten

Pünktlich, zum Jahrestag der Kapitulation des Hitler-Regimes am 8. Mai wird im Bergbaumuseum Klagenfurt die Ausstellung „1944/45 – Klagenfurt in Schutt und Asche“ eröffnet. Gerhard Finding hat eine bemerkenswerte Sonderausstellung konzipiert und umgesetzt, die Einblick in die letzten Kriegsjahre und die Bombardierungen in der Landeshauptstadt gibt.

Einem Führerbefehl Folge leistend, errichtete die Stadt Klagenfurt im Auftrag der Gauleitung Kärnten unter Dr. Friedrich Rainer zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Luftangriffen ab 1942 mehrere Bunkeranlagen. Als Standort für die beiden räumlich größten Bunker wurden die Steinbrüche am Kreuzbergl, dort wo sich heute der Botanische Garten und das Bergbaumuseum befinden, ausgewählt.

In der heutigen Felsenhalle, in der die Ausstellung präsentiert wird, befand sich damals die „Befehlsstelle des Gaueinsatzstabes“. An dieser geschichtsträchtigen Stelle gab Gauleiter und Reichstatthalter Dr. Friedrich Rainer am 7. Mai 1945 gegen 23 Uhr seinen Rücktritt bekannt.

Zu diesem Zeitpunkt lag Klagenfurt bereits in Schutt und Asche. 57 Fliegerangriffe der alliierten Streitkräfte auf die Gauhauptstadt verursachten 445 Tote. 2899 Gebäude waren zerstört und fast 10.000 Wohnungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. 

Die Ausstellung zeigt anhand von großteils unbekanntem Fotomaterial Klagenfurt vor und während der NS-Zeit, die Bombardierungen und die Zeit unmittelbar nach dem Kriegsende. Gerhard Finding hat bisher unveröffentlichte Akten aus dem Klagenfurter Stadtarchiv für die chronologische Aufarbeitung der Geschehnisse verwendet und zu einem bedrückenden Zeitdokument geformt.

Gezeigt wird auch das Goldene Buch der Stadt Klagenfurt mit der Eintragung Adolf Hitlers anlässlich seines Besuches am 4. April 1938. Die Ausstellung gibt auch Auskunft über den Grund der Bombardierung Klagenfurts durch die Alliierten. In der Kärntner Landeshauptstadt wurden Teile für die Messerschmitt ME 262, des legendäre Kampfflugzeug des Dritten Reiches, produziert.

Umgesetzt wurde die Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Collegium Scientiae und quality project management. Die 31. Sonderausstellung „1944/45 – Klagenfurt in Schutt und Asche“ im Rahmen der Ausstellungsreihe „Bunkergeschichten“ in der Felsenhalle des Bergbaumuseums ist bis 26. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Bergbaumuseum

Telefon: 0463 - 511 252

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www.bergbaumuseum.at

 

Blickpunkt 218 vom 8. Mai 2008