Ausnahmezustand Fußball EM

Die Fußball-Europameisterschaft, die EURO 2008, polarisiert die Kärntner Bevölkerung. Während die einen von einem noch nie da gewesenen Jahrtausendereignis sprechen und eine einmalige Chance sehen, dass sich Kärnten und die Host-City Klagenfurt im internationalen Licht sonnen können, fürchten sich die anderen vor dem drohenden Chaos, das auf die Kleinstadt Klagenfurt zukommen könnte.

Wenn in einem Monat der medial drittgrößte Sport-Event der Welt beginnt, dann herrscht in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt der Ausnahmezustand.

Rund um die Lindwurmstadt werden, glaubt man den Berechnungen des europäischen Fußballverbandes UEFA, 160.000 Fans erwartet. 80.000 Deutsche, 40.000 Polen und ebenso viele Kroaten werden, so die UEFA-Prognose, ihre Mannschaften begleiten. Die ursprünglichen Fanzonen auf dem Neuen Platz und dem Messegelände können nur knapp 23.000 Menschen aufnehmen, daher wurde die gesamte Innenstadt zur Fanzone umfunktioniert und der „bewachte“ Europapark soll ebenfalls als Fanbereich mit einem für 7000 Mann geeigneten Bierzelt aus München ausgestattet werden.

Ob diese Zonen ausreichen, um die Massen aufzunehmen, ist mehr als fraglich. Die mittelalterliche Altstadt Klagenfurts ist zu eng, um mit diesem Menschenandrang fertig zu werden, rechnen selbst offizielle Verkehrsexperten damit, dass Klagenfurt aus allen Nähten platzen wird.

Um diesen Ansturm an Fußballbegeisterten in geordnete Bahnen zu leiten, sind tausende offizielle Organe (wie Polizei, Rotes Kreuz, Feuerwehr und Bundesheer) und zahlreiche Hilfskräfte notwendig.

Das übrige Leben außerhalb des Fußballs wird zumindest an den drei Tagen der EM-Spiele in Klagenfurt zusammenbrechen. Vorsorglich wurde via Medien der Bevölkerung empfohlen Arztbesuche auf die Zeit vor oder nach der EM zu verlegen.

Wie es in diesen Tagen mit der Sicherheit aussehen wird, ist schwer vorhersehbar. Die Polizeikommandos im übrigen Kärnten werden nicht voll besetzt sein können, da die Beamten in Klagenfurt benötigt werden. „Wenn wir zu einem Unfall in ein entlegenes Tal gerufen werden, dann ist unser Posten verwaist, dann darf in der Zwischenzeit nichts anderes passieren“, befürchtet „off records“ ein Polizist, „dass die Sicherheit der Bevölkerung nicht lückenlos gegeben ist und die Kriminalität ansteigen wird“.

Gern wird von den Klagenfurter Stadtvätern die Weltmeisterschaft in Deutschland ‘06 bewusst missbraucht, um das Märchen von friedlichen Fußballspielen zu verbreiten. Vorsätzlich wird darüber geschwiegen, dass in Berlin in den Parkanlagen rund um die Fanmeile beim Brandenburger Tor das Erdreich komplett erneuert werden musste, da es von menschlichen Exkrementen kontaminiert war.

Vergessen wird auch nicht, dass es allein in Frankfurt an einem Abend an die 2000 Verhaftungen randalierender  Fans gegeben hat und das „mediale Sommermärchen“ fast zum Albtraum geworden wäre.

Kärnten gilt als das Land der Veranstaltungs-Weltmeister. Sich auf diesen Ruf zu verlassen ist zwar fahrlässig, aber die einzige Hoffnung, dass unser Land das Abenteuer Fußball-Europameisterschaft ohne größeren Schaden überlebt.

Die UEFA wird hoffentlich daraus die Lehren ziehen, dass eine Stadt wie Klagenfurt, allein von der Größe und der (mittelalterlichen) Struktur, nicht geeignet ist EM-Spiele mit Nationalmannschaften auszutragen, die doppelt so viele Fans mitbringen wie wir Einwohner haben.

 

 

Blickpunkt 218 vom 8. Mai 2008