Facetten eines Genies

Karl Freiherr Auer von Welsbach

Gleich mehrfach Grund zum Feiern haben heuer die Gemeinden Althofen und Mölbling, gilt es doch den großen „Sohn“ und Wohltäter der beiden Orte, Dr. Carl Auer von Welsbach, zu würdigen, der am 1. September 150 Jahre alt geworden wäre. Zu feiern gibt es noch 110 Jahre Auer von Welsbach in Althofen, 100 Jahre Auer-von-Welsbach-Schule in Meiselding und zehn Jahre Auer-von-Welsbach-Museum in Althofen.

Dass es den in Wien geborenen Chemiker, Erfinder und Unternehmer Dr. Carl Auer von Welsbach in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts nach Kärnten, und zwar nach Althofen verschlagen hat, verdankt man indirekt dem Niedergang der Eisenindustrie in Treibach. Wegen der veralteten Technologie mussten die Hochöfen und Kohlenmeiler im Raum Treibach-Althofen geschlossen werden. Um 1890 wurde Althofen als Ort der Sommerfische entdeckt.

Vor allem aus der Hauptstadt Wien kamen viele Künstler und  Wirtschaftstreibende, um in Althofen ihre Sommerferien zu verbringen. Darunter auch Carl Auer von Welsbach. Der Erfinder und Großindustrielle, der in kürzester Zeit nicht nur 16 Fabriken errichtete und mit seinen Erfindungen Millionen scheffelte, fand nicht nur Gefallen an der landschaftlichen Schönheit des Gebietes, sondern auch die nötige Ruhe und Infrastruktur, um abseits der turbulenten Kaisermetrolpole an der Donau seine Forschungen zu betreiben. Die Eisenbahn war gerade gebaut worden, Wasser für ein Kraftwerk war vorhanden und das Wichtigste, die Metallverarbeitung, war durch die Eisenhütten in der Bevölkerung stark verwurzelt.

Carl Auer von Welsbach kaufte nicht nur von der Schauspielerin Marie Geistinger deren Schloss in Meiselding, sondern 1898 auch in Treibach ein stillgelegtes Eisenwerk, aus dem die heutige Treibacher Industrie AG hervorging. Vorerst wurden das erste Kraftwerk in Kärnten und eine Produktionsanlage zur Erzeugung von Glühfäden für Osmiumlampen errichtet.

1903 erfand der Freiherr, Kaiser-Franz-Joseph hatte ihn 1901 in den Freiherrenstand erhoben, den Cer-Eisen-Zündstein, der noch heute in den Einweg-Feuerzeugen milliardenfach Verwendung findet.

1908 ermöglichte Carl Auer von Welsbach die Errichtung der Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsschule in Meiselding, die damals, ob ihrer technischen Ausstattung (unter anderem mit Turnsaal) die mit Abstand modernste in der gesamten Monarchie war.

Ziel des Chemikers und Schülers von Robert Wilhelm Bunsen an der Universität von Heidelberg war es, weißes Licht zu erzeugen, Glühfäden zu entwickeln, die industriell gefertigt werden können und eine hohe Lebensdauer haben. Der Weg führte über Baumwollfäden, die durch Beimengung seltener Erden gehärtet wurden, zum Osmiumlicht und der Gründung der Firma Osram.

Bei den Erforschungen der seltenen Erden stieß Dr. Carl Auer von Welsbach auf die vier chemischen Elemente Neodym, Praseodym, Ytterbium und Lutetium, allesamt Metalle der seltenen Erden.

Die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag von Dr. Carl Auer von Welsbach beginnen bereits in diesem Monat in Wien. Am 26. April wird im Welsbach-Museum in Althofen eine Sonderausstellung mit dem Titel „Facetten eines Genies“ eröffnet. Schon im März wird es eine Sondermünze „Auer von Welsbach“ geben, die Sonderbriefmarke kommt mit einem Sonderpostamt in Althofen zum Geburtstag.

Blickpunkt 213 vom 21. Feber 2008