Schablonen im Angriff sind nicht mehr gefragt

Man nehme die besten Einzelspieler der Welt, dazu genügend ebenfalls bestens ausgebildete „Ergänzungsspieler“, gönne den Stars die notwendige Verschnaufpausen schon während des Spiels, setze konsequent alle Spieler in jeder Partie ein, verzichte auf unnötig komplizierte Spielzüge, lasse so wenig wie möglich, leichte Tore des Gegners im Konter zu, so in etwa lautet das Rezept zum Weltmeistertitel beim Finalturnier in Kroatien.

Endlich hat mit Frankreich wieder die beste Mannschaft ein Handball Großereignis gewonnen, eine Team an dem man sich orientieren kann. Einzig an Thierry Omeyer, dem Ausnahmetormann Frankreichs den Titel festzumachen, wäre ungerecht, auch wenn der Keeper des THW Kiel, in jeder Partie für die notwendigen big points sorgte. Claude Onesta hat anscheinend aus den letzten titellosen Championaten gelernt und wechselte diesmal in jeder Partie sensationell oft und konnte sich sogar die taktische Niederlage im letzten Hauptrundenspiel gegen Kroatien leisten. Es wusste, Lino Cervas Truppe wird im Endspiel an der hohen Erwartungshaltung des heimischen Publikums und an der schlechteren physischen Substanz der kroatischen Spieler scheitern. Bedingt durch die schlechtere Auswechselbank und Cervas konservativer Austauschpolitik fehlte Balic, Vori und Co. im Endspiel die Spritzigkeit.

Einen Tick schneller

Die Franzosen waren immer einen Tick schneller und auch konzentrierter je länger die Partie dauerte.

Relativiert wurde bei dieser WM der Höhenflug der skandinavischen Teams die bei der EM 2008 mit ihren Wechselorgien für Furore sorgten. Wenn die anderen Topteams ebenfalls auf Schnelligkeit spielen, dann entscheidet die individuelle Klasse der Spieler, die bei den Dänen und Schweden derzeit noch nicht gegeben ist.

Eines hat diese WM deutlich gezeigt, das schablonenhafte Spiel hat ausgedient. Im Angriff statische Mannschaften, die nicht in der Lage sind sich auftuende Lücken zu nutzen wurden schon in der Vorrunde aus dem Rennen geworfen, wie die einstigen Top-Nationen Russland, Spanien und Rumänien.

Südslawischer Angriffs-Handball

Nahezu herzerfrischend spielten hingegen Nationen wie Korea, Mazedonien und Serbien auf. Hohes Tempo und massiver Druck auf die Schnittstellen in der Abwehr, das war Offensiv-Handball vom Feinsten. Eine Augenweide in dieser Hinsicht war das Vorrundenspiel Dänemark gegen Serbien 37:36 und teilweise auch die Partie Serbien gegen Norwegen 27:26. Ferner die Hauptrundenpartie Serbien gegen Mazedonien 32:28.

Recht solide wieder einmal die Polen, die mit Platz drei doch etwas überraschten und Dänemark im kleinen Finale 31:23 besiegten.

Und die Deutschen? Verletzungspech und Torleute die in absoluter Unform agierten ließen nur Platz fünf zu. Beim 35:35 gegen Serbien zeigten die Schützlinge von Heiner Brand, dass sie auch Handballspielen können und nicht nur malochen.

Armtechnik von Thierry und Kasper

Aufgefallen ist mir auch, dass bei der Technik der Torleute die eher skandinavische und französische Schule, die von Therry Omeyer und Kasper Hvit perfekt beherrscht wird, erfolgreicher ist als die deutsche Schule oder die Technik der ehemaligen Jugoslawischen Teams. Rein subjektiv, eine genaue Statistik darüber liegt noch nicht vor, kam mir vor, dass Hvit und Omeyer weniger Gegentore bekamen aus körpernahen Würfen, sie „ihre Bälle“ abwehren konnten, die so genannten „Unhaltbaren“ waren „unvermeidlich“ und wurden ohne Reaktion, seitens der Mitspieler oder der Coaches hingenommen. Sowohl Kasper als auch Therry bevorzugen eine besondere Armstellung. Die Arme sind eher vor dem als seitlich vom Körper, so lässt sich auch die höhere Anzahl der „Saves“ von Bällen in Körpernähe leicht erklären.