Mut zur offensiven Defensive wurde belohnt

Bei den diesjährigen United World Games in Klagenfurt wurde erstmals auch Handball gespielt. 21 Teams aus vier Nationen kämpften in fünf Altersgruppen (U12 bis U18) um den Sieg.

Besonders gespannt war ich auf das Antreten der beiden finnischen Mannschaften Kyrkslätt Idrottsförening (Ky IF) und Helsinki Giants hatte ich doch das Vergnügen in der letzten Saison mit Thomas Lindström, dem finnischen Nationalkeeper arbeiten zu dürfen.

Technische Überlegenheit

Die Giants spielten im MU16 Bewerb und mussten sich im Finale dem ATV Trofaiach knapp mit 19:20 geschlagen geben. Auffallend die aggressive 3:2:1 Deckung und das hohe Tempo in allen Spielen der Finnen. Das Umkehrspiel und das Umschalten von Deckung auf Angriff funktionierten fast immer. Warum es trotzdem nicht zum Turniersieg gereicht hat? Die Finnen verabsäumten es im Finale ihre technische Überlegenheit auszuspielen, im Angriff war der Ball viel zu langsam. In der defensive wurde 5+1 gegen den Hauptwerfer von Trofaiach gespielt, der trotzdem Tore nach Beleiben machte, die sonst so homogene Abwehr war dadurch auseinander gerissen. Dies soll nicht die kämpferische Leistung des ATV Trofaiach schmälern die eher deutsche Handball-Tugenden bevorzugten und damit auch zum Erfolg kamen.

Österreich gegen Ungarn hieß das Finale im MU18 Bewerb. Die Kärntner (Verlegenheits-)Auswahl konnte dabei die handballerisch bessere Mannschaft von Nyiregyhaza mit 18:15 besiegen. Technisch und auch athletisch den Ungarn unterlegen setzte Trainer Oliver Andres allein auf eine offensive 4:2 Deckung und wurde für seinen Mut belohnt. Nyiregyhaza (im Vorrundenspiel noch 22:18 Sieger) wusste gegen diese „Verwirrtaktik“ kein probates Mittel und Tormann Dominik Konrad brachte zusätzlich die Gegner zur Verzweiflung.

Erfolgsrezept 3:3

Dass eine gut organisierte offensive Verteidigung der Schlüssel zum Erfolg sein könnte bewies auch das Finale bei den Mädchen U14. Schon in der Vorrunde zeigte sich, dass die Mädchen von Kyrkslätt Idrottsförening eine Klasse für sich sind. Prunkstück war die Abwehr ein aggressives 3:2:1 wie bei den Jungs von den Giants Helsinki. Dafür waren speziell im Angriff technische Schwächen (Ballannahme und –abspiel in der Bewegung bzw. Wurfbewegung) unübersehbar. Diese technischen Unzulänglichkeiten nutzten die Mädchen von TSV Grafing aus Deutschland um drei Verlängerungen zu erzwingen bevor sie sich mit 14:15 geschlagen gaben. Das beinahe „Erfolgsrezept“ der Grafinger Trainerin war eine sehr flexible 3:3 Deckung gegen welche die Finninnen kein effektives Gegenmittel wussten. Ky IF gewann glücklich und Grafing war ein glücklicher Verlierer, denn nach den handballerischen Fähigkeiten war schon ein Klassenunterschied zu beobachten. Augenscheinlich aber auch, dass mit einer konsequenten offensiven Abwehr zumindest bei Turnieren mit verkürzter Spielzeit recht erfolgreich agiert werden kann.

Wie die Karawanken

Von dieser offensiven Einstellung in der Deckung sah man beim Kärntner MU11 Meister SC Ferlach nichts. Während der HCK und Gleisdorf altersgerecht ein offensives, altersgerechtes Abwehrverhalten zeigten huldigte der Nachwuchs aus der Büchsenmacherstadt der 6:0 Mauer (unbeweglich wie die Karawanken) …

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