Nur schlechte TrainerInnen haben schlechte SpielerInnen

Gerhard Klinger

Selbst von Trainerseite hört man immer wieder, es gibt weder gute noch schlechte Trainer, sondern nur erfolgreiche und erfolglose Trainer. Diesem Irrglauben möchte ich eine klare Absage erteilen und zwar mit der Feststellung: Nur schlechte TrainerInnen haben schlechte SpielerInnen.

Es gibt sie also doch die schlechten Trainer, denen man mangelndes Wissen und fehlende Ausbildung in sportwissenschaftlicher Hinsicht jederzeit nachweisen kann. Ihren Weg pflastern zahlreiche Leichen (SpielerInnen) die am Altar ihrer Eitelkeit geopfert wurden. Aber in Sachen Mikropolitik sind diese schlechten TrainerInnen echte WeltmeisterInnen. WeltmeisterInnen beim Erfinden von Ausreden, um ihre eigenen fachlichen Unzulänglichkeiten gegenüber den meist ahnungslosen FunktionärInnen und GeldgeberInnen, zu verschleiern um auch bei offensichtlich selbstverschuldeten Niederlagen als Sieger dazustehen. Schuld an Niederlagen sind bei diesen schlechten TrainerInnen immer die Anderen, die Schiedsrichter, die eigenen SpielerInnen, das Umfeld, der Mond, die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur, der rutschige Boden, die Picke, die Zuschauer und andere Umwelteinflüsse.

Woran erkennt auch der Laie, der ahnungslose Funktionär, der emotionalisierte Zuschauer die schlechten TrainerInnen? Ganz einfach an ihrer Außenwirkung in Training und Spiel.

Schlechte TrainerInnen müssen sich Mangels natürlicher Autorität immer hinter ihrer Funktion verstecken, verbreiten Angst und Schrecken mit ihren Brüllereien. Sie sind nicht fähig zuzuhören, wenn SpielerInnen eine andere Meinung kundtun wollen, treffen Entscheidungen nur der Entscheidungen willen, nicht weil sie gefällt werden müssen.

Schlechte TrainerInnen setzen Taten auch wenn keine notwendig sind nur um der unmittelbaren, pädagogisch unbedarften Umwelt zu beweisen, ich bin der Chef. Was ich sage wird befolgt. Ein Trainer ganz nach dem Geschmack von eitlen Funktionären, die sich über die Leistung einer Mannschaft definieren wollen, ebenso wie schlechte Trainer. Da ist ein Trainer der den Burschen die Wadln nach vorne richtet. Nicht die Pädagogik, nicht das Vermitteln von Inhalten wird zu Maxime des Handelns sondern das Erfüllen von oft mehr als sinnlosen Vorgaben.

Schlechte TrainerInnen erkennt man auch daran, dass sie der positiven Psychologie nicht mächtig sind. Sie sehen ihre Coaching-Tätigkeit nur im Aufzählen von Fehlern, in Beschuldigungen, in Erniedrigungen wobei Wertschätzung und Anerkennung zwei Attribute der positiven Psychologie nie vorkommen.

Schlechte TrainerInnen sind auf alle Fälle fehlerlos, können mit Kritik und sei sie auch noch so berechtigt nicht umgehen, sehen sich bei jedem Widerspruch persönlich angegriffen, und haben jede Menge damit zu tun um ihre Position durch gezielte Indiskretionen und Machtmissbrauch zu stärken.

Schlechte TrainerInnen haben keinen Plan B, sondern leider unter dem Geisterfahrersyndrom. Sie wissen zwar im Unterbewusstsein, dass sie in die falsche Richtung unterwegs sind, aber sie drehen nicht um. Umdrehen wäre ja ein Zeichen von Schwäche und ein Eingeständnis dafür eine Fehlentscheidung getroffen zu haben.

Schlechte TrainerInnen sind derart mit sich selbst beschäftigt, dass sie im Spiel nicht mitbekommen, was in der eigenen Mannschaft vorgeht.

Schlechte Trainer strahlen keine Ruhe von der Bank aus, sie sorgen mit ihren emotionellen Wutausbrüchen für Angst und Schrecken, tragen Unruhe in die Mannschaft und ins Spiel und sorgen dafür das der Fair-Play-Gedanke in den Hintergrund gedrängt wird.

Schlechte TrainerInnen wissen nicht, warum sie etwas trainieren. Sie sind festgefahren in den Trainingsmethoden, die sie selbst am eigenen Körper verspürt haben, neigen dazu andere Trainingsmeinungen nicht zuzulassen und versuchen mit intensiver Trainingsbelastung Spieler zu bestrafen.

Schlechte TrainerInnen haben keine Ahnung wie der Energiehaushalt im Körper funktioniert, denn dann müssten sie eigentlich wissen, dass es kontraproduktiv ist im Training während der Wettkampfphase 100 bis 120 Prozent der Leistungsfähigkeit zu verlangen.

Schlechte TrainerInnen wissen einfach nicht, dass Handball eine Schnelligkeitssportart ist und auch nach den sportwissenschaftlichen Methoden des Schnelligkeitstrainings durchgeführt werden soll.

Schlechte TrainerInnen glauben immer noch, dass der Cooper-Test ein Parameter für die Ausdauerfähigkeit ist, dabei ist es nur eine Kennzahl dafür, welchen Weg in einer bestimmten Zeit die SpielerInnen zurückzulegen im Stande sind.

Schlechte TrainerInnen setzen, so lange es geht, immer nur ihre Grundaufstellung ein, obwohl sie eine komplette zweite Garnitur auf der Bank hätten.

Schlechte TrainerInnen sagen ihren SpielerInnen immer das was sie nicht tun sollen und nicht das was sie tun sollen.

Schlechte TrainerInnen glauben immer noch, dass Handball hauptsächlich etwas mit Kraft und Ausdauer zu tun hat und nicht ausschließlich mit Schnelligkeit. Wenn schlechte Trainernnen dies wissen würden, dann würden sie ständig wechseln um das Tempo im Spiel hochzuhalten und die SpielerInnen nicht in die Müdigkeit zu treiben.

Schlechte TrainerInnen entmündigen ihre SpielerInnen und stehen auf pflegeleichte, abhängige SpielerInnen die keine ihrer Anweisungen in Frage stellen.

Schlechte TrainerInnen sind nicht in der Lage junge SpielerInnen in eine Mannschaft einzubauen, da sie ständig auf nach außenhin sichtbare Ergebnisse (Spielresultate) spielen, die sie als alleinige Parameter für Leistung ansehen.

Schlechte TrainerInnen verlangen von ihren SpielerInnen Dinge die sich im Training nicht einmal ansatzweise erarbeitet haben. Zum Beispiel  Stresssituationen bei knappen Spielständen und nur mehr kurzen Spielzeiten. Wie verhindere ich in solchen Extrem-Situationen ein Tor, wie erzielte ich in solchen Situationen ein Tor? Nie trainiert, aber im Spiel immer wieder verlangt.

Schlechte TrainerInnen haben ein übertriebenes Selbstwertgefühl und sind unehrlich. Sie wissen immer alles besser und andere TrainerInnen  werden in der Regel abqualifiziert.

Schlechte Trainer schenken ihren ErsatzspielerInnen kein Vertrauen und sorgen dafür, dass sie dieses Misstrauen nicht revidieren müssen in dem sie Ersatzspieler einerseits überfordern, andererseits ihnen rechtzeitig die Möglichkeit nehmen, dass sie nicht in die Lage kommen bei den Big-Points am Spielfeld stehen zu dürfen.

Schlechte TrainerInnen brauchen eine starre Hierarchie damit ihre Fehler nicht sichtbar werden, neigen zu Cäsarenwahn und Napoleonkomplexen und sind einfach fehlerlos.

Schlechte TrainerInnen sind der Meinung, dass sie für die SpielerInnen die Entscheidungen auf dem Spielfeld treffen können, in dem sie bis zum Umfallen Spielzüge trainieren lassen, welche die SpielerInnen im Schlaf beherrschen müssen. Und wenn der Spielzug nicht funktioniert, weil die Gegner spätestens nach dem dritten Mal das Wesen des Spielzuges kapiert haben, sind immer die SpielerInnen schuld und nicht die Dummheit des Trainers.

Schlechte TrainerInnen versuchen die Individualität und die Persönlichkeit der SpielerInnen zu brechen anstatt diese in ihrer Entwicklung zu fördern.

Schlechte Trainer meiden die offene, Zweiweg-Kommunikation, die ihre Trainingsmethoden in Frage stellen könnte.

Schlechte TrainerInnen sind nicht in der Lage trainingswissenschaftlich zu begründen warum sie gewisse Dinge trainieren und geben auch keine Auskünfte über Beweggründe von Entscheidungen.

Schlechte Trainer arbeiten immer nur auf den Momentanerfolg hin und nehmen dafür in Kauf die Gesundheit der SpielerInnen zu gefährden.

Schlechte TrainerInnen sehen in den körperlichen Parametern den einzigen Schlüssel zum Erfolg, die Psyche wird als leistungsbestimmender Faktor sträflich ignoriert.

Schlechte TrainerInnen sind immer extrinsisch motiviert, übernehmen Trainerjobs um sich in Szene zu setzen und dafür auch materiell reichlich entlohnt zu werden.

Schlechte TrainerInnen sprechen von SpielerInnen als Material, sehen sie als entseelte Körper, die nur auf Befehle warten um sie auch widerspruchslos auszuführen.

Schlechte TrainerInnen werden immer ihren ahnungslosen Funktionären nach dem Mund reden und keinesfalls, selbst auffällige, unübersehbare Missstände thematisieren um nicht ihren Job zu gefährden.

Schlechte TrainerInnen haben keine eigene Trainer-Philosophie, sie arbeiten in den Tag hinein, sind Radfahrer die nach oben buckeln und nach unten treten.

Schlechte TrainerInnen werden von Funktionären geliebt und von SpielerInnen gehasst.

Schlechte TrainerInnen sind nicht in der Lage SpielerInnen individuell zu verbessern, sie auf der Position einzusetzen die für ihre Entwicklung von Vorteil wäre.

Schlechte TrainerInnen haben weder eine ausgeprägte soziale Kompetenz noch die für Menschenführung notwendige emotionale Intelligenz, denn dies würde Bedeuten, sie müssten sich in ihrem Egoismus zurücknehmen.

Schlechte TrainerInnen verhalten sich immer problemorientiert, sie finden selbst bei Kantersiegen noch negative Dinge und klagen diese auch demonstrativ und lautstark an.

Schlechte TrainerInnen helfen den SpielerInnen nicht bei der Lösung von Aufgaben, sie verlangen sie auch wenn die SpielerInnen damit überfordert werden.

Schlechte TrainerInnen behaupten immer sie hätten schlechte SpielerInnen, anstatt sie durch Training zu verbessern.

Schlechte TrainerInnen können auch kurzfristig erfolgreiche Trainer sein, langfristig sind sie kontraproduktiv, denn erfolgreiches Training heißt, regelmäßig, langfristig, systematisch und planmäßig mit SpielerInnen zu arbeiten und zwar unter Berücksichtigung des Menschen in seiner Gesamtheit, als Wesen bestehend aus Körper, Geist und Seele.

Autor: Gerhard Klinger im Mai 2009 

 

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