21.02.2010 Nur der eigene Nachwuchs hat Zukunft

Die Handball Europameisterschaft ist vorbei, der triste Alltag hat uns wieder. Anstatt Spitzen-Handball in gefüllten Arenen zu genießen müssen wir uns wieder mit Schonkost in muffigen Turnhallen begnügen. War es das? Ein kleines kurzfristiges Aufflackern der auf Sparflamme dahin glosenden Randsportart Handball in Österreich?
 Kärnten hat schon vor mehr als zehn Jahren den Anschluss an die österreichische Spitze verloren und fristet immer mehr ein Schattendasein.

Nur der Ehrenpräsident des Kärntner Handballverbandes Günter Pfeistlinger, einst Gründer des SVVW und jahrelang ÖHB-Männersportwart hat sich via Medien zu Wort gemeldet und sieht in der Verpflichtung eines hauptamtlichen, ausländischen Trainers, des Einkaufs dreier starker Legionäre und der Zusammenarbeit der drei Vereine HCK, SCF und SVVW den Stein der Weißen, eine Garantie für den Aufstieg in die höchste österreichische Spielklasse. Gewiss, schon einmal funktionierte dieses Rezept. Der Trainer hieß Lino Cerva, der gerade mit Kroatien Vizeeuropameister geworden ist. Er schaffte damals, nach einer Konzentration der Kräfte, den Aufstieg in die höchste Männerliga, die heutige HLA.

Dass es gerade ein ausländischer Profi-Trainer sein muss, lässt sich für mich schwer nachvollziehen, liegt es doch sicher nicht allein im sportlichen Bereich, dass der Kärntner Handball in der sportlichen Bedeutungslosigkeit der zweiten Liga verschwunden ist. Die Trainings- und Wettkampfbedingungen in Kärnten sind keinesfalls HLA-tauglich, die Funktionäre sind zwar rührig aber hauptsächlich ahnungslos, wenn es um professionelle Vereinsstrukturen geht. So forderte damals Lino Cerva eine Professionalisierung der Funktionäre um die Rahmenbedingungen für einen langfristigen sportlichen Erfolg zu schaffen. Wenig später war Lino gefeuert.

Schon eher erfolgsversprechend sind die Ideen von Thomas Ulbing dem Ex-Manager des HCK. Eine sportliche Konzentration der Kärntner Kräfte mit Spielort Ferlach, denn dort gibt es ein handballverrücktes Publikum, der HCK sollte sich auf die Handballakademie kümmern und die übrigen Vereine sollen nach einem gemeinsamen Nachwuchskonzept dem Kärntner Spitzenklub, egal wie nun auch heißen mag, die Talente ausbilden. Auch diese Idee ist nicht besonders neu, ausgenommen Spielort Ferlach, doch es ist nicht anzunehmen, dass die bisherigen Protagonisten des Kärntner Spitzenhandball über ihre Schatten springen können und ihre Eitelkeiten zurücknehmen werden um eine zukunftsträchtiges Rezept umzusetzen.

Handball Kärnten ist drauf und dran in die Fußstapfen von Salzburg zu treten. Dort gibt es nach jahrelangen sinnlosen Wettbewerben zwischen UHC und SAK schon seit Jahrzehnten keinen Spitzenhandball mehr, Bei uns wird alljährlich sinnlos Geld vernichtet und für U21 Spieler ausgegeben, die dann aus Studiengründen Kärnten verlassen. Mittlerweile gibt es schon einen echten Run auf Spieler die das 15. Lebensjahr vollendet haben, denn sie sind U21 spielberechtigt. Dass uns schon langsam die U21 Spieler ausgehen zeigt ein Blick nach Ferlach. Urgestein Franz Berger, schon längst jenseits der 40 muss „aushelfen“ damit überhaupt eine U21 gespielt werden kann. Und noch nicht vergessen habe ich meine letzten U21-Einsätze beim SCF und HCK, als ich als 50-jähriger Veteran noch einlaufen musste.

Kärntens Handball kann nur über den Nachwuchs gesunden, mit ausreichenden Trainingsmöglichkeiten, bestens ausgebildeten Trainern und sichtbaren Perspektiven für die jungen Spieler, denen man in der Bundesliga Spielzeiten geben muss und nicht mit Marathon-Sitzungen auf der Ersatzbank jedwede Motivation rauben sollte.