06.02.2010 Ein würdiger Europameister

Die Handball Europameisterschaft 2010 der Männer in Österreich ist Geschichte. Mit Frankreich gab es einen würdigen Europameister, der sich ab der Hauptrunde in souveräner Manier als stärkste Mannschaft mit den absolut besten Einzelspielern herauskristallisierte. Finalgegner Kroatien stand mit der jüngsten Mannschaft dieser EM im Endspiel auf verlorenem Posten, aber es war keine Schande für die Schützlinge von Lino Cerva gegen die homogen auftretenden Franzosen zu verlieren.

In der Vorrunde zeigte sich die „equipe tricolore“ von Claude Onesta „verwundbar“ schaffte gegen Spanien und Ungarn nur jewiels ein Remis. Doch je länger das Turnier dauerte, desto klarer wurde der Klassenunterschied. In fast jeder Partie reichten starke zehn Minuten um den jeweiligen Gegner in die Knie zu zwingen. Meist fand dieses Spektakel kurz nach dem Seitenwechsel statt. Ungarn und Spanien hatten zwar die Chance in der Vorrunde den Weltmeister, Olympiasieger und nun auch Europameister zu besiegen, aber es reichte nicht. Gewiss in Einzelspielen, außerhalb eines kräfteraubenden EM-Turniers, könnten Kroatien, Island, Polen und auch Dänemark Karabatic und Co. ernsthaft gefährden, doch in der Endphase einer EM oder WM wird das nicht so schnell passieren. Der neue Europameister hat keine erkennbare Schwachstelle im Team. Jeder Spieler ist auf seiner Position ein Spezialist und Ausnahmekönner, der jeder für sich allein ein Spiel entscheiden kann. Die „big points“ für den Franzosen bei der EM waren dennoch wieder Tormann Thierry Omeyer und Alleskönner Nikola Karabatic vorbehalten.

Dass Kroatien es überhaupt bis ins Finale schaffte war wohl die größere Überraschung als die klare Finalniederlage. Lino Cervas „Kindergarten“ schaffte zwar ohne Niederlage den Finaleinzug, gegen Island wurde allerdings ein Punkt abgegeben, doch der „Gustav Gans“ unter den Trainern braucht auch diesmal eine gehörige Portion Glück um das Endspiel zu erreichen. Dies soll keinesfalls die Leistungen des stark verjüngten kroatischen Teams schmälern, aber ohne echten Hauptwerfer um den Titel mitzuspielen, das zeigt schon von Charakter und Schlitzohrigkeit. Ohne echte Wurfbedrohung aus der zweiten Reihe war das Spiel der Kroaten leicht ausrechenbar, da zu sehr auf Ivano Balic und Igor Vori zugeschnitten, doch gerade die Jungstars wuchsen über sich hinaus. Denis Buntic und Marko Kopljar nutzen die Gunst der Stunde ebenso wie Domagoj Duvnjak und Drago Vukovic. Dazu kam noch ein Mirko Alilovic im Tor, der eine Weltklasseleistung ablieferte und Thierry Omeyer um nichts nachstand. Mit dieser Mannschaft muss in den nächsten Jahren gerechnet werden auch wenn Trainer Cervoa schon während der EM seinen Rücktritt ankündigte. Das war wohl wieder einer seiner berühmten Tricks um seiner jungen Mannschaft mehr Zusammenhalt zu geben.

Eigentlich hatte ich mit Titelverteidiger Dänemark im Semifinale gerechnet, doch schon die Niederlage in der Vorrunde gegen Island kündigte an wer momentan die beste skandinavische Mannschaft ist. Enttäuscht war ich von den Schweden, die allerdings in der Hammergruppe in Innsbruck mit viel Pech schon nach der Vorrunde ausschieden. Hingegen schaffte Norwegen mit viel Kraft und noch mehr  Kampfgeist eine kleine Sensation. In der Hauptrunde verloren die Wikinger die skandinavischen Duelle mit Dänemark und Island jeweils nur mit einem Tor. Für die große Überraschung fehlte es an spielerischer Routine, aber auch an Cleverness von der Trainerbank.

Unter den selbst hochgeschraubten Erwartungen blieb Ex-Weltmeister Deutschland. Mit auch und Krach die Hauptrunde erreicht war dort zu recht Endstation. Mit diesem Kader ist Heiner Brand international nicht wettbewerbsfähig. Auf den Schlüsselpositionen wie Hauptwerfer, Kreis und Spielmacher hapert es derzeit ganz gewaltig.