Kärnten Team90: Die verlorene Chance

Es war einmal eine Kärntner Handball Auswahl die gewann das Turnier der Bundesländer Auswahlmannschaften des Jahrganges 1990. Dazu gab es bei weiteren Turnieren noch die Silber- und die Bronzemedaille. Dieser Jahrgang war einer der besten in Österreich, genauso wie zehn Jahre zuvor die Auswahl des Jahrganges 1980 mit Bernd Friede, Ingo Lippitsch, Helmut Rothe, Markus Götzhaber und Marco Jowetic.

Als das Jugendnationalteam des Jahrganges 1990 erstmals zu einer Sichtung eingeladen wurde, kamen 11 der 32 eingeladenen Spieler aus Kärnten, sie bildeten das Gerippe des Teams. Heute, keine vier Jahre später steht kein einziger Kärntner mehr in der 90er ÖHB-Auswahl. Was ist in den letzten vier Jahren passiert? Warum ist kein Kärntner mehr im Aufgebot dieser Nachwuchsnationalmannschaft?

Was ist mit den Kärntner Talenten geschehen, die drei Jahre lang den höher eingeschätzten Gegnern gespickt mit Spielern von HLA-Mannschaften um die Ohren gelaufen sind?

Als ehemaliger Coach dieser Meistermannschaft ist es nicht leicht objektiv zu bleiben, aber ich werde es versuchen.

Grundsätzlich muss ich festhalten, dass damals die beiden Klagenfurter Vereine SVVW und HCK beim 90er Jahrgang hervorragende Nachwuchsarbeit betrieben haben. Sie bildeten das Gerippe des Teams. Aber auch Spieler aus Feldkirchen, St. Veit, Ferlach, Villach und Radenthein gehörten zum Kader und wurden auch immer wieder eingesetzt.

Als ich den Kader zusammenstellte und aus „politischen Gründen“ auch Spieler aus den kleineren Vereinen einberief wurde ich milde belächelt. Als ich dann sagte ich fahre nach Linz um Meister zu werden, wollten mich manche „Experten“ wegen Größenwahns sogar einer psychiatrischen Behandlung zuführen. Selbst der damalige Präsident Dr. Harald Rohrer, der als Betreuer mit dabei war, zweifelte an meiner Zuversicht. Da der HCK die Auswahl in der Vorbereitungsphase boykottierte und die Spieler oft nicht für gemeinsame Trainingseinheiten abstellte baute ich auf die Vorzüge der schnellen Spielanlage des SVVW mit schneller Mitte und einer, wenn notwendig, offensiven 3:3 Deckung. Mit dieser Überfallstaktik gewannen wir die Vorrunde souverän, ebenso die Kreuzrunde. Im Finale wartete Oberösterreich. Selbst der Heimvorteil reichte nicht aus um uns zu gefährden zu dem hatten wir mittels Video die Spielzüge der Oberösterreicher reichlich studiert und eine erfolgreiche Gegentaktik entwickelt.

Warum ich in Erinnerungen schwelge? Was hat das damit zu tun, dass in jetzigen ÖHB 90er Team kein Kärntner mehr ist?

Ganz einfach, das Nationalteam spielte nie und nimmer den schnellen Kärntner Handball sondern baute seit Beginn auf Substanz und Kraft. Da waren die schnellen, aber körperlich schwächeren Spieler nicht gefragt. Soweit eine teilweise Erklärung für die Absenz.

Eine weitere Erklärung liegt in der Tatsache, dass die Spieler der Gegner aus Oberösterreich, Vorarlberg, Wien und Niederösterreich sehr bald in der HLA Unter21 eingesetzt wurden, unsere nur in der B-Liga U21 spielten. Da ist allein schon vom Trainingsniveau her ein gewaltiger Unterschied. Aber das war noch immer nicht die ganze Wahrheit.

Einen Großteil der Schuld muss man auch den Kärntner Vereinen anlasten. Wie wurde mit den Talenten umgegangen? War die Förderung optimal? Damals habe ich noch mit vielen Kärntner Vereinsfunktionären philosophiert, dass hier eine HLA-Mannschaft heranwächst, die mit ein paar guten Legionären den lang ersehnten Aufstieg in die oberste Spielklasse schaffen und dort auch bestehen konnte. Was ich hörte war Zustimmung, aber es waren nur Lippenbekenntnisse.

Zuerst wurde in Ferlach Christofer Sternath auf dem heiligen Altar der Eitelkeiten geopfert. Nach Problemen mit dem Trainerteam hat der wurfgewaltige linke Aufbauspieler schon vor zwei Jahren endgültig das Handtuch geworfen Ein Comeback beim HCK war nur von kurzer Dauer. Marian Klopcic flüchtete im Sommer zu Meister Bregenz und hat als 17-jähriger ein Stammleiberl in der HLA ergattert. Beim SCF war er Bankerlwärmer. Lediglich Mathias Meleschnig scheint den Sprung in die Männermannschaft geschafft zu haben. Es ist zwar „nur“ Tormann Nummer drei, aber sollte Urgestein Walter Perkounig jun. doch noch einmal aufhören, gehört ihm die Zukunft.

Benjamin Lin  und Georg Wedenig (UHC Villach) bzw. Raffael Schütz (WSG Radenthein) hatten ebenso wie Michael Schreinlechner (SCA St. Veit) damit zu kämpfen, dass sie geografisch weit vom Kärntner Spitzenhandball wohnhaft sind. Präsidenten-Sohn Schreinlechner versuchte es zwar in der SCF Unter21, doch das zusätzliche Pendeln zwischen Schilauf und Handball ging auf Kosten der Handballkarriere.

Dieses geografische Schicksal drohte auch den Feldkirchnern Peter Laggner und Martin Schöndorfer. Jahrelang pendelten sie nach Klagenfurt spielen beim HCK und SVVW in der U21 und letzte Saison beim SVVW in der Bundesliga. Martin hat seine Karriere verletzungsbedingt beendet, Peter spielt wie sein Bruder Florian bei den Fivers in Wien.

„Reisende soll man nicht aufhalten“, war die Devise beim SVVW in der vorletzten Übertrittszeit. Aus der Gruppe der 90er wurden Florian Wulz und Uwe Hack an den HCK abgegeben. Während Uwe noch während der letzten Saison mangels Perspektiven und Einsatzzeiten in der Versenkung verschwand (er spielt mittlerweile bei West Wien in der U21) versuchte sich Flo durchzubeißen und bekommt mittlerweile auch schon Spielzeiten in der Bundesligamannschaft des HCK. Ingo Hack, Tormann der Auswahl, spielt jetzt im Feld, hat seine Karroere als letzter Mann schon vor zwei Jahren beendet. Die Godec-Zwillinge, vor Jahren als die Top-Talente in Österreich gehandelt, kämpfen ebenfalls um den Anschluss. Nach dem Abstieg des SVVW und einer von Verletzungen geprägten letzten Saison, da kam erschwerend noch das Bundesheer hinzu, spielt Stefan mit Doppelspielberechtigung beim SC Ferlach und Markus versucht es nach dem Jahreswechsel in Bärnbach. Beide studieren in Graz.

Von den glorreichen HCK-Neun Benjamin Pippan, Timon Wöcher, Anton Hribernig, Dominik Konrad, Hannes Winkler, Maxi Wagner, Martin Raming, Benedikt Angerer und Dario Morocutti haben Bene und Dario ihre Karrieren beendet. Einzig Benji hat beim HCK einen Platz in der Grundaufstellung, Timon und Toni kommen derzeit über Kurzeinsätze in der Ersten nicht hinaus. Domi krebst wie Maxi und Martin in der U21 herum und Tormannkollege Hannes versucht nach einer Trainingspause wieder den Anschluss zu finden

Warum ist das erwähne? Ganz einfach, denn die Gegner von damals, mit denen die Kärntner auf gleicher Leistungsstufe standen, spielen mittlerweile in der HLA, aber nicht in der U21 sondern in der Kampfmannschaft, manche wurden sogar im Europacup eingesetzt.

Die historische Chance mit einer bodenständigen Kärntner Mannschaft wie dem 90er Jahrgang den Aufstieg in die HLA zu schaffen wurde leichtfertig vertan. Nach dem Gesetz der Serie sollte es mit dem Jahrgang 2000 wieder gelingen zumindest österreichische Meister mit der Auswahl zu werden. Vielleicht ist man dann im Kärntner Handball bereit das große Ziel zu sehen anstatt sich in Eigenbröteleien zu verstricken und Talente versauern zu lassen.

Wie meinte durch Bernd Friede, Kärntens derzeit einziger Handball Nationalspieler und Legionär in der Schweiz, so treffend: Wenn Du im Handball weiterkommen willst muss Du Kärnten verlassen …“