Defizite bei Schnelligkeit und Technik

Die 10. UPC Kärnten Trophy gab wieder einige Aufschlüsse auf die internationale Entwicklung des Handballsports, leider wurden auch die Defizite des Kärntner Handballs schonungslos aufgezeigt.

Obwohl die Kärnten Trophy eher eine Massenveranstaltung ist, also Quantität von Qualität kommt, mit den gezeigten Qualitäten kann man dennoch zufrieden sein. Hauptverantwortlich für die handballerische Qualität waren die Mannschaften aus Balingen, Velenje (Gorenje) und Wien (West Wien).

Die Nachwuchsmannschaften des deutschen Bundesligisten HBW Balingen Weilstätten zeigten wieder einmal die Vorzüge ihrer Handball-Philosophie. Eher undeutsch mit offensiver Raumverteidigung, rein auf Schnelligkeit ausgelegtes Angriffsverhalten, nahezu perfekte Technik, hohes Tempo bis zur letzten Spielsekunde.

Obwohl ihren Gegnern körperlich unterlegen holte sich die MU13 den Sieg gegen die Teams von West Wien und Velenje. Das hohe Tempo und die technische Präzision waren für eine Mannschaft dieser Altersgruppe mehr als bemerkenswert. Auffallend bei den jüngsten Balinger Mannschaften war, dass sie in der Deckungsmitte nicht die körperlich größten Spieler aufstellten, sondern mit kleinen wendigen Spielern agierten, denen es immer wieder gelang Bälle zu erobern und tödliche Konter einzuleiten.

Die solide technische Ausbildung jedes einzelnen Spielers, die Grundvoraussetzung für ein schnelles und genaues Pass-Spiel war gegenüber den anderen Mannschaften unübersehbar.

Eher auf körperbetontes Spiel baut West Wien. Statt spielerischer Leichtigkeit stehen Spielzüge und Schablone im Mittelpunkt der Spielphilosophie. Mit drei Klassensiegen MU10, MU12 und MU15 waren die Wiener erfolgreichster Verein der 10. UPC Kärnten Trophy. West Wien spielte „deutscher“ als Balingen, „arbeitete“ mehr Handball als Handball zu spielen.

Den typischen „jugoslawischen“ Handball bot der Nachwuchs des slowenischen Meisters RK Gorenje Velenje. Mit zwei Klassensiegen MU14 und MU16 unterstrichen die Teams von Nachwuchschef Tomaz Jursic ihre einsame Klasse. Hohes Tempo, gutes Umkehrspiel, perfekte Technik, effektives 1:1 Verhalten und natürlich die südslawische Lässigkeit im Abschluss boten auch guten Unterhaltungswert.

Und die Kärntner Teams?

Einmal mehr ließen viele Kärntner Teams die Chance, in heimischer Umgebung internationale Spiele zu bestreiten, ungenutzt. Die Klassensiege des HCK (WU16 und MU18) verhüllten das eher bescheidene Abschneiden der übrigen Kärntner Mannschaften.

Die Mängel in läuferischer und technischer Hinsicht im Vergleich zu den Spitzenteams sind nicht wegzudiskutieren. Hauptursache sind Mängel im Training sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht. Schnelligkeit und Technik kann man trainieren vorausgesetzt es gibt genügend Trainingszeiten, willige Spieler und (ausgebildete) Trainer die diese Inhalte auch vermitteln können.

Ironman-Handball

Gewiss Turniere, wie die Kärnten Trophy, können schon aus Zeitgründen nicht rein nach trainingswissenschaftlichen Aspekten angelegt werden, doch sollten die Trainer so viel Fachwissen intus haben, dass sie wissen, dass Handball eine Schnelligkeitssportart ist, in der Belastung und Pausen richtig gesetzt werden müssen. Bei fast 40 Grad in der Halle zwei Spiele hintereinander zu bestreiten mit einem zu kleinen Kader, ist nicht nur kontraproduktiv für die Schnelligkeit sondern auch ungesund. Aber solange es Trainer gibt die Handball „arbeiten“ statt Handball „spielen“ dürfte das ja egal sein. Übrigens eine Mannschaft ist zur zweiten Halbzeit ihres zweiten Spieles nicht mehr angetreten, die Energiedepots waren total leer. Kraft und Ausdauer braucht man zwar auch im Handball, aber sie beinahe zu vernachlässigende Parameter hinter der Schnelligkeit und der damit verbundenen perfekten Balltechnik im hohen Tempo.