WachsDUMM

Gerhard Klinger

Weltweite gäbe, es eine Überproduktion von 20 Millionen Autos, diese Zahl, kolportiert von Magna-Boss Siegfried Wolf, zeigt einmal mehr welcher Geist in der Automobilbranche in den letzten Jahren herrschte. Da wurde munter am Markt vorbei produziert als gäbe es kein Morgen, keine steigenden Treibstoffpreise und keinen Rückgang bei der Nachfrage. Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich, darauf baute besonders die amerikanische Automobilindustrie, die ihre eigene Vorstellung vom Drei-Liter-Auto hat. Nicht drei Liter Verbrauch auf 100 Kilometer, nein Drei-Liter Hubraum und drei Liter Verbrauch auf 10 Kilometer. Dass die einst so stolzen Flaggschiffe wie Ford, General Motors und Chrysler jetzt in wirtschaftliche Seenot geraten sind, konnte sich jedes „Milchmädchen“ ausrechnen.

Der blauäugige Wachstumsglaube der Top-Manager und der Bush-Administration, die am Gängelband der einst mächtigsten Branchen wie KFZ- und Erdölindustrie hing hat seinen Beitrag zur weltweiten Krise geleistet. Sind Politiker wirklich so unbedarft, dass sie alles glauben, was ihnen überbezahlte Manager seit Jahrzehnten vorgaukeln.

Ewiges Wachstum ist eine Utopie und ein Wahnsinn, wie schon die indische Parabel vom Weizenkorn und dem Schachbrett beweist. Es beginnt mit einem Weizenkorn auf dem ersten der insgesamt 64 Felder, auf jedem weiteren Feld wird die Anzahl der Weizenkörner verdoppelt. Wer glaubt das Ergebnis wäre eine überschaubare Größe der irrt gewaltig. Am Ende stehen 18.446.744.073.709.551.615 Körner, das cirka zehnfache der alljährlichen Welt-Ernte. Oder anders gesagt die Erdoberfläche könnte mit einer ein Zentimeter dicken Weizenschicht überzogen werden.

Die Glaube an das endlose Wachstum mutierten zur WachsDUMMheit. Selbst der sprichwörtliche "dümmste" Bauer, der mit den größten Kartoffeln, hat so viel Realitätssinn, dass er erkennt, "wenn ich am Markt vorbeiproduziere, werde ich auf Dauer nicht überleben können". Doch volkswirtschaftliches Denken und betriebswirtschaftliches Handeln sind wohl den weltweiten Spielern an den Börsen zu langweilig gewesen. Die künstliche Manipulation von Abgebot und Nachfrage hat das Kartenhaus, genannt Weltwirtschaft zusammenbrechen lassen. Die viel gelobte freie Marktwirtschaft hat ihre Grenzen erreicht.

Die Grenzen des Marktes sind auch die Grenzen der Werbung. Jahrelang gelang es den Marketingstrategen, mit wissenschaftlichen Methoden, die neurologischen und psychologischen Schwächen des Menschen auszuloten und für die Ankurbelung des Konsums auszunutzen. Jetzt wo es heißt den Gürtel enger zu schnallen, feiert der aus seiner bedingungslosen und unreflektierten Konsumlethargie geweckte "gesunde Hausverstand" seine Auferstehung. Es gibt der kranken Marktwirtschaft die brutale Antwort auf die Maßlosigkeit der letzten Jahre, treibt die Menschen gezwungener Maßen dazu auf unnötige Konsumgüter zu verzichten.