SystemFEHLER

Gerhard Klinger

Glaubt man den Medien und anderen so genannten Experten, dann sind die Schuldigen an der Milliardenpleite des Kärntner Hypo-Imperiums bereits ausgemacht. Die unfähigen, weil planlosen Politiker, Freunderlwirtschaft, Eventpolitik, Größenwahn und der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider, sie alle sind nach Expertenmeinungen, schuld am Desaster. Wie in der Schulmedizin wurden durch Bundeskanzler und Finanzminister eine scheinbar „unfehlbare“, aber doch parteipolitisch motivierte, Diagnose gestellt und nun geht man munter daran die Symptome zu bekämpfen um fürderhin solche Katastrophen zu verhindern. Auf die Idee dem seit Jahrzehnten weltweit herrschenden Finanz-System zumindest eine Mitschuld zu geben, kommen die offiziellen Gutmenschen und Levitenleser gar nicht. Selbst die „Erben“ Jörg Haiders „feiern“ die Verstaatlichung der Hypo als Erfolg.

Wachstumsgläubigkeit, Gier, Verantwortungslosigkeit und der Glaube an die Allmacht des Geldes haben zu seinem System geführt, dass nicht mehr lange überlebensfähig sein wird.

Die größte aller Dummheiten in diesem Systemzusammenhang ist wohl die Annahme, dass Geld arbeitet. Man braucht ja nur einen Cent ein paar Jahre lang auf einer Bank deponieren und dann zur Kassa schreiten um Zinsen und Zinseszins abholen. Nach dem derzeit herrschenden Bank-System würde sich bei einem Zinssatz von fünf Prozent alle 14 Jahre die Einlage verdoppeln, bei drei Prozent Zinsen wären es 23 Jahre die notwendig sind um den eingezahlten Betrag zu verdoppeln. In der Mathematik nennt man dies ein exponentielles Wachstum. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an das berühmte Beispiel mit dem Weizenkorn und dem Schachbrett, wobei immer verdoppelt wird. Ein Korn, zwei Körner, vier Körner, acht Körner bis zum 64. Feld am Schachbrett.

Unsere Wirtschaftsexperten und Börsenspekulanten haben den Politikern weisgemacht, dass dies bei Bankgeschäften ebenfalls möglich ist und zwar einnahmenseitig. Dass dies auch für die Schulden gelten kann wurde wohlweislich als unwahrscheinlich eingestuft, es ist nur im Fall der Hypo und bei vielen anderen Banken weltweit eingetreten. Wie viele Pleiten müssen noch passieren damit die Experten endlich erkennen, dass Geld allein nicht arbeiten kann?

Es sind die normalsterblichen Kleinverdiener, die ihre Sparschweine schlachten und den Inhalt zu Bank tragen, damit diese Kredite an Spekulanten verteilen kann zu einem wesentlichen höheren Zinssatz als sie selbst für die Spareinlagen gewähren. Wer schon mal einen Privatkredit beantragt hat, weiß wie mühselig das mit der Besicherung ist, aber bei Millioneninvestitionen, die als „politisch notwendig“ erachtet werden, da nimmt man es mit der Besicherung nicht ganz so genau. Allein an den Transfers dieser Unsummen, am Einfädeln der Deals und an der Kontrolle der Geldflüsse, lässt sich bestens verdienen. Die moralische Rechtfertigung beschränkt sich auf den nächsten Systemfehler, der besagt, dass ein Staat nicht Pleite gehen kann, schließlich kann er ja selbst Geld drucken, denn heutzutage ist die Bildung von Rücklagen zur Absicherung der Geldwerte anscheinend nicht mehr notwendig.

Bei über 99 Prozent der täglichen Geldflüsse weltweit werden keine Waren mehr bewegt, da wird nur Buchgeld von einem Konto auf das andere verschoben. Auf Kosten anderer Volkswirtschaften kann man mit Fremdwährungskrediten einen schönen Gewinn einstreifen. Bezahlt wird dieser Gewinn durch die arbeitende Bevölkerung dieser Staaten, so „arbeitet“ Geld wirklich.

Und die Hypo-Schulden? Die müssen jetzt wir zahlen, mit unserer Arbeit, die müssen wir in den nächsten Jahren erwirtschaften. Irgendwer auf der Welt muss immer blechen mit seiner Arbeitskraft für die satten Gewinne der Spekulanten. Und wenn die Spekulanten sich einmal verspekulieren, dann brennt der Staat und lässt sich für die Rettungsaktion feiern, auf unsere Kosten freilich.

Das derzeitige Finanzsystem, im dem das „reale“ Geld nicht mehr existiert, denn wie lange kann noch ein Stück buntbedrucktes Papier einen Anspruch auf einen bleibenden materiellen Wert garantieren, steht vor dem Zusammenbruch. Die nächste massive Geldentwertung nach der Weltwirtschaftskrise 1929 hängt wie das „damoklessches Schwert“ an einem seidenen Faden über den Köpfen der kleinen Sparer. Spätestens die vorgezeichnete Flucht vom Buchgeld in materielle Güter wird unser derzeitiges Bankensystem endgültig vernichten, da nützt selbst die Lizenz zum Banknotendrucken nichts mehr. Wie würde dann der beleibte Gallier Obelix aus den Asterix-Geschichten treffend sagen (siehe Obelix GmbH und Co. KG – Band 23): „Sesterz nichts mehr wert sein …“