Sucht und MANGEL

Gerhard Klinger

Ein Grund warum sich Jugendliche niedersaufen sei „Langeweile“, außerdem sei Alkoholkonsum „schick“. Zu diesen "Binsenwahrheiten" kommt die Politik, wenn es gilt sich mit dem Problem des steigenden Alkoholmissbrauchs unter Jugendlichen zu beschäftigen.

Mit dieser schulmedizinischen Diagnose und den ebenfalls schulmedizinischen Ansätzen der Bekämpfung der Symptome, wird den Eltern betroffener Jugendlicher suggeriert, die Gesellschaft hat sich dieses Themas angenommen und das Problem wird mit allen zur Verfügung stehenden Mittel bekämpft.

Die Flucht in Suchtgifte wird in unserer Gesellschaft seit Jahrhunderten geduldet und es gilt als „völlig normal“ sich zwischenzeitlich in Rauschzustände zu versetzen. Wo gefeiert wird, da fließt Alkohol und „wo Kummer ist“, so Wilhelm Busch, da „ist auch Likör“, der alkoholische Seelentröster gehört zu unserem gesellschaftlichen Alltag.

Da werden zwar jetzt härte Strafen gefordert, wenn Wirte Alkohol an Minderjährige verkauft werden, im gleichen Atemzug müssen die Gesundheitspolitiker ihr Versagen beichten, denn die Erwachsensen sind den Kindern in Sachen Alkoholkonsum ein mehr als schlechtes Beispiel. Wie kann die Gesellschaft ein Problem lösen, wenn sie Teil ihres Problems ist, quasi ein Teufelskreis an dem selbst ein engagierter Gesundheitspolitiker scheitern muss, außer er stellt einmal die ohnehin schlecht angeschriebene Schulmedizin in Frage.

Der metamedizinische Ansatz in dieser und in jeder anderen medizinischen Frage ist die alleinige Frage nach der Ursache und nicht die Antwort der Symptombekämpfung mit den Mitteln der Reparaturmedizin in Form von Medikamenten und Operationen.

Warum greift der Mensch, egal welcher Altersgruppe, nach Rausch- und Suchtgiften? Um diese Frage überhaupt zu verstehen, müssten wir allerdings uns zur Erkenntnis bequemen, dass der Mensch nicht nur aus Fleisch und Blut besteht, sondern auch aus Geist und Seele.

In unserer materiellen Welt in der das Lebenselixier Geld heißt, bleibt für das Seelenheil wenig Raum und noch weniger Zeit. Es gilt nicht als schick psychische Probleme zu haben, eine gesunde Seele gehört nicht zur körperlichen Gesundheit.

Nicht einmal dann, wenn sich die Seele gegen die Vergewaltigungen durch die Materie anfängt zu wehren, wird sie Ernst genommen. Die Pharmaindustrie hätte genügend Psychopharmaka parat, doch vorerst vorsucht der Mensch dieses Problem, durch die Flucht in die Sucht. selbst zu lösen.

Wir leben materiell im hier und heute. Besitz und Geld dafür leben wir. Die kleinen Wehwehchen der Seele, mit materiellen Ersatzbefriedigungen sind diese schnell vergessen. Nur ein Problem hat der Materialismus übersehen. Der Mensch ist ein beseeltes Wesen.

Auch die Seele braucht „Nahrung“. Braucht Liebe, Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Nähe, Wärme, Heimat.

Es mangelt fast allen Menschen an lebensnotwendigen, positiven sozialen Kontakten. Dieses unterschwellige, leise Verlangen wird durch unsere laute, konsumorientierte  Umwelt zum Schweigen gebracht und mit Rauchgiften immer wieder betäubt.

Haben wir Stress oder Liebeskummer, dann verhalten wir uns schulmedizinisch. Wir bekämpfen dieses Symptom des Seelenschmerzes mit Alkohol, versuchen das aufsteigende Gefühl zu betäuben, statt unsere Intelligenz zu nutzen und sich mit der Ursache auseinander zu setzen, mit einer immateriellen Ursache, die in unserer Seele schlummert.

Die kanadische Metamedizinerin, Mikrobiologin und Psychotherapeutin Claudia Rainville meint zu diesem Thema treffend, dass wer Alkohol missbraucht, der „trinkt um zu vergessen, um der für ihn enttäuschenden Lebenswirklichkeit zu entfliehen, um seinen Schmerz, sein Gefühl der Isolation oder Einsamkeit nicht mehr zu fühlen. Er trinkt sich den Mut an, den er nicht hat, um sich selbst glauben zumachen, dass es sich vor nichts und niemanden fürchtet. Er zerstört sich nach und nach selbst mit dem Alkohol, um seinen Groll gegen eine Person zu nähren, die er für seinen Lebensschmerz verantwortlich macht.“