SPIELend SÜCHTIG

Gerhard Klinger

Der Spieltrieb, die Lust am Spielen, ist uns Menschen in die Wiege gelegt worden.

Spielerisch erlernen wir im Kindes- und Jugendalter jene Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit denen wir das Leben meistern können.

Der „homo ludens“, der spielende Mensch, neigt allerdings auch zu Suchtverhalten, vor allem dann, wenn eine gewisse Tätigkeit, ein Genuss, eine Stimmung, die Glückshormone in Schwingung bringt.

Wir werden süchtig danach, das Glück festhalten zu wollen. Besonders schlimm ist es aber, wenn der Mensch auf seinem ständigen Streben nach Glück „spielend“ süchtig wird.

Seit nicht einmal 20 Jahren gilt Spielsucht als anerkannte Krankheit und ist sehr schwer therapierbar. Ernüchternd sind in diesem Zusammenhang die statistischen Zahlen. Jeder Spielsüchtige in Kärnten hat durchschnittlich 50.000 Euro Schulden. Fast die Hälfte der Spielsüchtigen gerät wegen der Schulden in die Beschaffungskriminalität und „wandert“ ins Gefängnis.

Über 15 Prozent haben bereits einen Selbstmordversuch hinter sich, 40 Prozent gelten als suizidgefährdet.

Jeder Spielsüchtige belastet fünf Menschen aus seiner unmittelbaren Umgebung, meistens Familienangehörige und Partner. Sieben von zehn Spielsüchtigen leben an Geldspielautomaten, dem so genannten „Kleinen Glückspiel“, ihre „Krankheit“ aus.

Spielsüchtige leiden auch unter einem geringen Selbstwertgefühl, so Suchtexperte Prim. Prof. Dr. Scholz. Ein Verbot des „Kleinen Glücksspiels“ in Kärnten könnte daher der ständig steigenden Zahl der Spielsüchtigen einen Riegel vorschieben. 

Blickpunkt 230 vom 6. November 2008