NOTwendige Kontrolle

Gerhard Klinger

Post, AUA und ORF kämpfen derzeit mehr mit den Managementfehlern der Vergangenheit als mit der aktuellen Wirtschaftskrise.

Der Börsencrash hat allerdings die Misere in den drei einstigen österreichischen Paradebetrieben verschärft.

Während die Post ausgabenseitig saniert werden soll, tausend Postämter sollen geschlossen und abertausende Postler auf Jobsuche geschickt werde, will sich der ORF einnahmenseitig sanieren, durch höhere Tarife und noch mehr Werbezeiten, wird die AUA an den Bestbieter verscherbelt.

Mehr Beweise für ein Versagen der Politik in Wirtschaftsfragen gibt es wohl nicht. Nicht zu vergessen, dass es die Politik war, die in diesen ehemaligen 100-Prozent-Monopolbetrieben nicht nur die Manager, sondern auch deren Gehälter bestimmt hat.

Den Managern allein die Schuld am Niedergang dieser drei Schlachtschiffe der stolzen, einst verstaatlichten Paradefirmen in die Schuhe zu schieben, wäre einfach.

Schuld war und ist auch das politische System in Österreich, das zu lange den Monopolisten und den Gewerkschaften freie Hand gelassen hat.

Pragmatische Dienstverhältnisse, im Arbeitskampf wohlerworbene, aber keinesfalls mehr zeitgemäße soziale Zuckerln, sie sind den drei Betrieben auf den Kopf gefallen.

Im beinharten Wettbewerb der freien Wirtschaft konnten die einst geschützten Werkstätten nicht lange überleben.

Das richtige Verhältnis zwischen Liberalismus und staatlicher Kontrolle in der Wirtschaft ist nicht leicht, wie die jetzige Bankenkrise beweist.

Kontrolle ja, so wenig wie möglich, so viel wie notwendig, oder?

 

Blickpunkt 231 vom 20. November 2008