NICHT genügend

Gerhard Klinger

Österreichs Bildungssystem hat beim PISA-Test mit einem „nicht genügend“ abgeschnitten. Ein mehr als jämmerliches, öffentliches Schauspiel bot die letzte Diskussion rund um die von der Unterrichtsministerin losgetretenes Diskussion, ob unseren Pädagogen zwei Stunden „Mehrarbeit“ pro Woche, quasi als Solidarität zur anhaltenden Wirtschaftskrise, zumutbar wäre.

Die Demaskierung unseres völlig veralterten Bildungssystems erfolgte ohne Rücksicht auf Verluste. Die bittere Wahrheit, die als Tageslicht kam, ist erschütternd. Da wird den Kindern schon seit Jahrzehnten vergeblich versucht zu erklären, dass sie für das Leben lernen und nicht für die Schule und dann kommt im Zuge dieser unnotwendigen Konfrontation endlich die Wahrheit ans Licht: die Schule ist weder für die Bildung noch für die SchülerInnen da, sondern ausschließlich für die Lehrer.

Alljährlich müssen mehrere Millionen Euro ausgegeben werden, um mit Hilfe von Nachhilfestunden, die pädagogische Unfähigkeit vieler LehrerInnen, ProfessorInnen und PädagogInnen auszumerzen. Pikanter Weise geben diese Nachhilfestunden auch jene Bildungsbeauftragten, die im Normunterricht immer wieder versagen.

Solidarität unter Pädagogen könnte man dazu sagen. Nur dass die Nachhilfe nicht auf Steuerkosten geht.

Allein der Blick ins das Lehrfach Turnen oder Leibesübungen müsste die Alarmglocken läuten lassen. Obwohl unsere Gesellschaft an chronischer  Bewegungsarmut erkrankt ist, die Schule hat nicht darauf reagiert.

Schulfreifahrt und die Streichung von unverbindlichen Übungen wie sportliche Neigungsgruppen sorgen dafür, dass der Grundstein für die später irreparabeln Zivilisationskrankheiten bereits in frühester Jugend gelegt wird.

Dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder wird in den Schulen überhaupt nicht Rechnung getragen. Seit der ersten Klasse Volksschule heißt es stillsitzen und aufpassen. Ob diese Pädagogik altersadäquat ist oder nicht, darum scheren sich weder Bildungspolitiker noch  Lehrergewerkschafter. Stundenpläne werden ausschließlich den Bedürfnissen der Lehrkörper angepasst, die zu Erziehenden haben zu funktionieren, denn schließlich ist das spätere Berufsleben auch kein Honiglecken. Dass Kinder keine Mini-Erwachsenen sind, darauf kommt freiwillig wohl niemand.

Solange sich LehrerInnen hinter dem Notenbüchel verstecken müssen um Autorität zu haben, solange Lehrinhalte aus Maria Theresias Zeiten als unantastbare Maxime gelten, solange die LehrerInnen das absoute Maß im Unterrichtsgeschehen sind, solange wird es heißen, wenn das österreichische Schulsystem einer Prüfung unterzogen wird: danke, setzen, nicht genügend …