MÄNNERbetreuung

Gerhard Klinger

Wie immer in Wirtschaftskrisen trifft es die sozial schlecht abgesicherten Menschen am härtesten. Jene, die ohnehin schon mit einem geringeren Einkommen auskommen müssen, sie sind akut durch Armut gefährdet. Es sind jene Frauen, die sich zur Kärntner-Lösung in Sachen Kindererziehung überreden ließen oder auch freiwillig, zwecks Erziehung, zu Hause bei den Kindern geblieben sind.

Viele Frauen der heutigen Generation 50+, die sich jahrelang als Familienmanagerinnen betätigt haben, müssen für ihr Mütterdasein büssen. Über 20 Prozent der Pensionistinnen in Kärnten sind durch Armut gefährdet, 65.000 Pensionistinnen haben in unserem Bundesland keine eigene Pension.

Einmal mehr zeigt die brutale, wirtschaftliche Realität die Fehler unseres patriarchischen Gesellschaftssystems auf, die in einer geschlechtspezifischen Aufteilung von (bezahlter) Erwerbs- und (unbezahlter und nicht sozialversicherter) Familienarbeit mündete.

Im Zuge der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau wurde zwar von den Männern immer wieder das Wort „Partnerschaft“ in den Mund genommen, an der vorsintflutlichen Arbeitsteilung hat sich nicht wesentliches geändert.

Der moderne Mann von heute sagt zwar, das Soziale muss wieder in die Familie, weigert sich aber traditionsbewusst die Frau in Sachen familiärer Sozialkompetenz zu unterstützen. Die moderne Frau, die versucht den Mann ins Familienboot zu holen und um Unterstützung in Sachen Kindererziehung betteln muss, scheitert schließlich und resigniert, muss doppelt so viel (Job und Familie) um den halben Lohn arbeiten.

Archaische Familientraditionen, mit der Frau am Herd, der liebevollen Mutter bei den Kindern, haben viele ältere Frauen an den Rand des wirtschaftlichen Überlebens gebracht, denn aus dem „Bund fürs Leben“ ist in den letzten Jahren in allen Altersschichten die „Ehe auf Zeit“ geworden. Aber kann sich frau ohne ausreichende Versicherungszeiten heute überhaupt noch eine Scheidung leisten?

Ist es das was Männer wollen? Frauen die wirtschaftlich von ihnen abhängig sind? Frauen, die nach der kostenlosen Kinderbetreuung Probleme haben ins Wirtschaftsleben wieder einsteigen zu können, die mangels erworbener Qualifikationen gezwungen sind schlecht bezahlte Jobs anzunehmen, oder müssen sich alternativ als „Männerbetreuer“ weiterhin um den, mittlerweile von den Kindern verlassenen, Haushalt kümmern. Immer öfter wird über die Anrechnung von Kinderbetreuungszeiten bei der Pensionsbemessung für „Hausfrauen“ diskutiert, aber was ist mit den „Männerbetreuungszeiten“, sind die nichts wert? Soziale Kompetenz sollte ihren Preis haben und von der Gesellschaft auch bezahlt werden.

 

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