Lucky LOOSEr

Gerhard Klinger

Als „Lucky Looser“, als „glückliche Verlierer“, werden im Sport jene Personen bezeichnet, die trotz einer sportlichen Niederlage dennoch gewonnen haben.

Doch während sich im Sport die glücklichen Verlierer aus Gründen der Fairness den eigentlichen Gewinnern gegenüber fair verhalten und nicht große Töne spucken, so ist es in der hohen Politik ganz anders.

Werner Faymann, der SPÖ-Spitzenkandidat bei den Nationalratswahlen, hat ein Minus von 265.000 Stimmen eingefahren.

Die Mitbewerber FPÖ und BZÖ haben jeweils ein Wählerplus von 320.000 Stimmen aufzuweisen.

Faymann fühlt und verkauft sich aber als Sieger, da der härteste Mitbewerber, die ÖVP, ein Minus von 380.000 WählerInnen eingefahren hat.

Der SP-Kanzlerkandidat hat dazu noch die eigentlichen Sieger dieser Wahl bereits als nicht regierungswürdig ausgegrenzt.

Das Verhalten des sozialdemokratischen Hoffungsträgers ist weder sportlich fair noch demokratisch.

Da laufen den beiden Regierungsparteien fast 650.000 Wähler davon. Der Lucky Looser Werner Faymann fühlt sich dennoch berufen, die gescheiterte Koalition weiterzuführen und die Sieger auszugrenzen.

Das vorzeitige Ablaufdatum des neuen rotschwarzen Bündnisses ist vorhersehbar. Die für die notwendigen großen Reformen wichtige Zweidrittelmehrheit im Parlament ist nicht mehr gegeben.

Faymann und Genossen haben anscheinend aus den letzten Monaten nichts gelernt. Gegen das Volk zu regieren ist immer zum Scheitern verurteilt, auch wenn der wahre (dritte) Koalitionspartner der neuen Regierung „Kronen Zeitung“ heißt.

 

Blickpunkt 228 vom 9. Oktober 2008