KRANKES System

Gerhard Klinger

Mit viel medialem Tamtam und noch mehr politischem Geschrei wurde die „Pleite“ der Kärntner Hypo gerade noch verhindert. Mit Steuergeld in Milliardenhöhe wurde das drohende Finanzchaos vermeintlich im Keim erstickt. Mit vermehrter staatlicher Kontrolle wollen unsere Volksvertreter in Zukunft solche Pleiten zu verhindern wissen. Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, denn wie kann man ein krankes System gesunden lassen ohne es in seinen Grundfesten zu verändern? Mit untauglichen Methoden, wie in der Schulmedizin, mit ausschließlicher Bekämpfung von Symptomen, will die Politikerkaste der Wirtschaftskrise Herr werden, für wie blöd halten unsere Regenten eigentlich ihr Stimmvieh?

Viele Systeme, die nach Beendigung des zweiten Weltkrieges eingeführt wurden und sich in der Folge auch bewährten, haben sich todgelaufen sind mittlerweile kontraproduktiv geworden. Beispiele gefällig? Das Gesundheitssystem das auf Reparaturmedizin baut statt auf Krankheitsprophylaxe, ein Pensionssystem das mehr ausgeben muss als eingenommen werden kann, das Vertrauen ins Erdöl als primären Energieträger anstatt auf erneuerbare Energien zu bauen, das Leben gegen die Natur anstatt nach Naturgesetzen zu leben, die Abkehr von Lebensmitteln und die damit verbundene Flucht in künstliche, minderwertige, billige Nahrungsmittel ohne Nährwert, die Abkehr von ideellen Werten verbunden mit der totalen Abhängigkeit von materiellen Belohnungen, der Glaube an das Kapital anstatt im Glauben Kraft zu finden, das bedingungslose Festhalten am Geld und seinen existenzgefährdenden Fehlern in Form von Zinsen und Zinseszinsen, das Leben auf Pump mit seiner Schuldenpolitik, anstatt sich auf seine Arbeitskraft und persönliche Leistung zu verlassen, die unendliche Gier nach noch mehr Macht und Geld wohl wissend, dass das letzte Hemd keine Taschen hat.

Wie vertrottelt, zum Beispiel, unser derzeitiges Finanzsystem ist sieht man am „teuersten“ Ehebrecher der Welt. Tiger Woods ist sein Name und er versteht es wie kein Anderer einen kleinen Ball mit Hilfe von Schlägern in verschiedene, eigens angelegte Rasen-Löcher zu versenken. Tiger Woods ist der erste Sportler des Universums, der Milliardär wurde. Aber das Verrückte, Unglaubliche kommt erst. Seine Bewegungen auf dem Golfplatz haben bereits Milliarden bewegt und auch seine außerehelichen Aktivitäten werden zusätzlich noch Milliarden bewegen und auch noch mehr Bewegung in unsere kranke Finanzwelt bringen. Seit Tigers Runden auf falschen Fairways bekannt wurden und seine außerehelichen Birdies nicht mehr zu verheimlichen waren, sind die Aktien jener Firmen in Turbulenzen geraten für die der weltbeste Golfer Werbung macht. Wenn man den Medien glauben darf, so sind es in der ersten Phase 12 Milliarden Dollar gewesen, die Anleger durch den unchristlichen Lebenswandel des weltweiten Golf-Einlochers Nummer eins verloren haben.

Wie krank muss ein System sein, wenn es bereits durch publik gewordene Ehebrüche Milliarden vernichten kann? So gesehen mache ich mir über die paar Hypo Milliarden, die da am Balkan oder sonst wo, durch Gier und Dummheit, versickert sind keine größeren Sorgen. Allein die Vereine der ersten italienischen Fußball-Division haben über zwei Milliarden Euro Schulden angehäuft. Schalke 04, der deutsche Bundesligaklub soll allein 280 Millionen Schulen haben. Übrigens Tiger Woods Noch-Ehefrau will für die Scheidung 300 Millionen kassieren.

 „Stirb Bankrott!“, lautet der Tipp eines ORF-Journalisten. Sein gleichnamiges Buch liegt auf Platz zwei bei den Bestsellern in der Rubrik Sachbücher, auch ein Spielbild unseres „änderungsbedürftigen“ Systems.

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