KommUNIKATion

Gerhard Klinger

Hurra, hurra jubelt der Kärntner Wirtschaftsbund ob des Ergebnisses der WK-Wahl in Kärnten. Die schwarzen Wirtschaftskämmerer konnten beim Urnengang ihre absolute Vormachtstellung ausbauen, die Partei politisch rechts vom Wirtschaftsbund, der RFW musste eine bittere Wahlschlappe hinnehmen.

Die noch größere Niederlage als der Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender musste allerdings die Wirtschaftskammer als Interessenvertretung hinnehmen. Mit einer Wahlbeteiligung von nicht einmal 36 Prozent hat Kärnten einen österreichweiten Negativrekord bei diesem Urnengang eingefahren. Als Ursache für den Wahlboykott wurde von den siegreichen Wirtschaftsbündlern die allgemeine Wirtschaftsverdrossenheit ausgemacht. Selbst der arg gebeutelte RFW glaubt in der politikfeindlichen Stimmung im Land den Sündenbock für den Verzicht auf das demokratische Mitbestimmungsrecht erkannt zu haben.

Möge der Siegestaumel der Einen und die Trauer der Anderen, bei der Wahlanalyse die Sinne getrübt und den Blick verklärt haben, Ursachenforschung wäre eher angebracht als sich hinter dem Schlagwort der Politikverdrossenheit zu verstecken.

Die Weltwirtschaftskrise, die in den letzten Monaten auch Österreich arg gebeutelt hat, zeigte gerade in Kärnten, die bislang nur vermutete, enge Verquickung von Politik und Wirtschaft. Die Hypo-Pleite beweist ganz anschaulich wie sehr Politiker von der Wirtschaft abhängig sind, und wie dringend die Wirtschaft willige Politiker braucht.

Beide Gruppen zeichnen sich durch eine ausgeprägte Gier nach Macht und Geld aus und zwar um jeden Preis. Einen Preis den sie nicht einmal selbst zahlen müssen, denn den zahlt das Volk mit seiner Arbeit. Auffallend ähnlich sind auch die Kommunikationsstrukturen der beiden Species und natürlich auch der Interessenvertretung, der Wirtschaftskammer, die ja das Paradebeispiel der Mutation einer Kreuzung zwischen Politikern und Wirtschaftstreibenden ist. In der Computersprache würde diese Art des Austausches von Informationen, analog zu web 1.0, Kommunikation 1.0 heißen.

Einwegkommunikation nach dem Prinzip des steinzeitlichen Frontalunterrichts, aufgebaut auf den pädagogischen Prinzipien, denen man einst in Kasernen und Klöstern huldigte und als gottgewollte, einzig richtige Art des Kommunizierens galt und anscheinend auch noch heute gilt. Während in Zeiten von Facebook, StudiVZ und die die anderen social networks auch heißen mögen, schon am web 4.0 gearbeitet wird, web 2.0 und web 3.0 schon als überholt gelten, gilt in der Wirtschaft und in der Politik und in den vermischten Grauzonen noch immer Kommunikation 1.0. Kein Wunder also, wenn jetzt Politik und Wirtschaft fast im Gleichklang social networks via PC am Arbeitsplatz verbieten.