Kein MITleid

Gerhard Klinger

Nein, ich leide nicht mit dem deutschen Fußball Rekordmeister Bayern München, ob seiner dürftigen Leistungen in der laufenden Meisterschaft und den blamablen Darbietungen gegen den französischen Meister Bordeaux in der UEFA Champions League. Schadenfreude kommt bei mir ebenfalls nicht auf, nur Verwunderung über die Selbstgefälligkeit, die Blindheit, die Arroganz, die Ignoranz, die Dummheit und den Größenwahn von Präsidium und Management des FC Bayern München.

Dass es bei den Bayern seit Monaten nicht rund läuft ist kein Geheimnis, das sieht jeder der sich die „Roten“ aus München in letzter Zeit angesehen hat. Jetzt hat endlich ein Spieler gesagt was Sache ist. Ausgerechnet der körperlich „Kleinste“, Nationalspieler Philipp Lahm nahm sich kein Blatt vor dem Mund und bekam für seine „Wahrheiten“ gleich eine kleine Strafe von 50.000 Euro aufgebrummt. Wohl wegen Majestätsbeleidigung, denn einen „Fußball-Kaiser“ widerspricht man nicht. Welches Schwerverbrechen beging nun der Defensivspieler mit dem großen Kämpferherz. Er bezeichnete die Einkaufspolitik der Bayern als falsch, speziell den Kauf von Torschützenkönig Mario Gomez, diagnostizierte die fehlende Spielphilosophie des Vereines und bemängelte das Fehlen eines „Spielbeschleunigers“ im Mittelfeld der Bayern.

Besser hätte selbst ein Sportwissenschafter die Bayern derzeit nicht analysieren können. Allerdings möchte ich schon hinzufügen, dass es weitere Schwachstellen im Team der Münchner gibt, wenn man die Champions League gewinnen will. Merke nur an: Tormann und rechter Außendecker.

Beschäftigen wir uns mit den Aussagen von Nationalspieler Philipp Lahm. Da hat ein Klub, wie Bayern, zwei echte Mittelstürmer wie Luca Toni und Miroslav Klose, die sich schon in den letzten Monaten wiederholt gegenseitig auf den Füssen standen, noch einen dritten echten Mittelstürmer geholt. Mario Gomez, Torschützenkönig in Deutschland in der letzten Saison kam für angeblich 30 Mille von Stuttgart. Die Bayern Führung wollte wohl den Konkurrenzkampf im Sturm schüren. Ergebnis: Kaum Tore, denn alle Stürmer waren und sind verunsichert. Die Bayern haben schon mehrmals in der Vergangenheit der innerdeutschen Konkurrenz Spieler weggekauft, nicht weil sie die Spieler brauchten oder sie zu ihnen passten, sondern weil sie die Gegner schwächen wollten. Wo Stuttgart ohne Gomez steht sieht man an der aktuellen Tabelle (15. nach der 12. Runde). Wo Bayern mit Gomez steht ebenfalls.

Beim Thema Spielphilosophie wird es kritisch, kritisch mit der deutschen Art Fußball zu spielen. Denn die Deutschen „arbeiten“ Fußball. Deutschland spielt keinen attraktiven Fußball mehr seit der „Libero“, als letzter Mann hinter der Abwehr ausgedient hat. Heute ist flexible Raumdeckung mit 4er- und 3er-Ketten angesagt und nicht knochenharte Manndeckung ohne mannschaftlichen Konnex. Würde eine WM oder EM nur in Einzelspielen und nicht innerhalb von drei Wochen ausgetragen werden, Deutschland wäre nicht unter den besten zwanzig Nationen der Welt. Deutschland ist eine Turniermannschaft, deren Erfolge hauptsächlich auf Disziplin und Kraft aufgebaut ist, die in einer knochenharten Turnierserie gefragt ist, nicht auf spielerische Brillanz. Und in „Einzelspielen“ verliert sogar der Hamburger SV, damals Tabellenführer in Deutschland, sang und klanglos gegen Rapid Wien. Die Bayern verzichten seit Jahren auf einen echten Spielmacher. Nicht notwendig. Nur wofür steht das Bayernspiel? Dass wissen nicht einmal Beckenbauer, Breitner, Rummenigge und Hoeness. Und kein Trainer konnte bislang eine eigene Bayern-Philosophie entwickeln, alle waren zu beschäftigt mit anderen „Dingen“, oder zogen es vor bei anderen Vereinen erfolgreich zu sein wie Felix Magath.

Als Trainer würde ich sagen Bayern München ist untrainierbar, ebenso wie Real Madrid. Zum Erfolg verdammt zählen nur Titel, wobei man Real Madrid zu gute Halten muss, sie spielen wenigsten eine Philosophie, die des schnöden Mammons und die des attraktiven Offensivfußballs. Die Bayern wollen zwar auch alles gewinnen, doch mittlerweile reicht es trotz der Millionen nicht einmal mehr für den deutschen Meistertitel. Der deutsche Rekordmeister wäre gut beraten würde er die 50.000 Euro Strafe, die er für die von Philipp Lahm verbreiteten „Wahrheiten“ eingenommen hat, für Selbstfindungskurse ihrer abgehobenen „Verantwortlichen“ investieren. Vielleicht können sie dann erkennen, dass sie schon seit Jahren mit ihrer „göttlichen und kaiserlichen“ Weisheit nur „Mist“ bauen.