KaiserSCHMARRN

Gerhard Klinger

Dem FC Bayern München gehören wieder die Schlagzeilen in Fußball Deutschland, aber nicht wegen der Erfolge. Nein, Trainer Jürgen Klinsmann, der Heilsbringer auf der Trainerbank des deutschen Rekordmeisters, musste seinen Hut und den Flieger in seine Wahlheimat Kalifornien nehmen. Grund notorische Erfolglosigkeit.

Nach dem Ausscheiden im deutschen Cup, der Pleite in der Champions League gegen den CF Barcelona und dem scheinbar unaufholbaren Rückstand in der Meisterschaft, gab es den obligaten Trainerwechsel.

Die Bayern aus München gelten als der FC Hollywood, ständig im medialen Rampenlicht stehend, mit Neigung zum Narzissmus in den Vorstandsetagen, gibt es erhöhte Ansprüche in Sachen Entertainment. Selbst die Trainerrausschmisse, obwohl sportlich unnotwendig, werden medienwirksam inszeniert nur um in den Schlagzeilen zu bleiben.

Ich erinnere mich an den unsensiblen Abgang von Otto Rehhagel, an die Eliminierung von Felix Magath, an nicht die nachvollziehbaren Ablösen von Othmar Hitzfeld, schuld an den Misserfolgen waren jeweils die Trainer. Zumindest wurde das immer von der Vereinsführung kolportiert.

Mit der Wahrheit nehmen es die Bayern-Bosse nicht so genau und Selbstkritik ist bei den Münchnern ein Fremdwort. Zu selbstverliebt sind die hochkarätigen Entscheidungstrainer in Management und Präsidium.

Ein Blick in die Vergangenheit und noch besser in die historischen und aktuellen Datenbanken beweißt jedoch das Gegenteil.

In der vorletzten Bayern-Krise vor vier Jahren wurde ganz klar die äußerst anfällige Schwachstelle an der linken Außenbahn festgemacht. Bayern München wollte die Champions League gewinnen hatte aber keinen Linksfuß in der Mannschaft. Es fiel kein Tor nach Flanke von Links und auch in der Flankenstatistik von der linken Flanke war man Letzter in der deutschen Bundesliga.

Dass dieser Wahnsinn bei Bayern München Methode hat bestätigt auch die laufende Saison. Im Vergleich der rechten Außendecker, veröffentlicht im Sportbild, nimmt der Bayernspieler Lell nur den 17. und vorletzten Platz ein.

Da stellt sich die Frage, wie kann das bei soviel Fußballverstand in der Vereinsführung passieren? „Kaiser“ Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner, das liest sich wie das „who is who“ im Weltfußball. Da kann sich ein Trainer, egal wer, nicht durchsetzen. Und dass diese „Schöngeister“ auf die Verpflichtung von  tauglichen Außendeckern einfach „vergessen“, das hat schon Methode. Dazu kommt noch die Schönrederei, dass Michael Rensing ein adäquater Nachfolger für Oliver Kahn im Bayerntor sei. Das grenzt schon an Realitätsverweigerung.

Der Sündenbock ist aber offiziell wieder der Trainer und nicht die Fehleinschätzung der Protagonisten. KaiserSCHMARRN ist wohl der richtige Ausdruck für die verfehlte Personalpolitik bei den Spielereinkäufen. Selbst die Millionen für Frank Ribery und Luca Toni können diese Fehleinschätzungen der eigenen, nicht vorhandenen,  Stärke nicht wettmachen. Jürgen Klinsmann ist nur ein weiteres  Bauernopfern der Bayern-Monarchie, denn „gekrönte Häupter“ irren bekanntlich nie.