Die große SEUCHE

Gerhard Klinger

Die große sportliche Seuche, die dem deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München monatelang  am Fuß klebte scheint endgültig ausgestanden zu sein. Mit einem glanzvollen 4:1 Auswärtssieg in Turin gegen Juventus in der Champions League bescherte Neo-Trainer Louis van Gaal den erfolgsverwöhnten Münchnern nicht nur ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk sondern festigte damit, zumindest bis zum Frühjahr, auch seinen Job als Übungsleiter beim FC Hollywood.

Der „kaiserliche“ bayrische Klub überwintert in der Champions League und nascht auch in der ersten Jahreshälfte am großen Kuchen des internationalen europäischen Fußballgeschäfts mit.

Auch in der deutschen Meisterschaft kommt der Bayern-Motor langsam aber sicher aus dem Stottern heraus und hat bereits Sichtkontakt zur Tabellenspitze, da die anderen „Spitzenklubs“ langsam anfangen zu schwächeln.

Plötzlich gibt es bei den Münchnern kein Tormannproblem mehr, nun ist auch Anatoli Timoschtschuk kein Fehleinkauf mehr, Louis van Gaal ist über Nacht zum Strategen geadelt worden, die Bayern sind wieder wer im Spitzenfußball.

Doch halt! Der italienische Fußball war schon vor der letzten WM nicht mehr die erste Adresse im Weltfußball auch wenn die Azzurri amtierender Weltmeister sind. Oder haben wir schon vergessen, dass nicht Italien den Titel gewonnen hat, sondern die Franzosen „dank“ Zinedin Zidanes Kopfstoß verloren haben.

Italien ist schon seit einigen Jahren nicht mehr die absolute Spitzenadresse in Europa. Spanische und englische Klubs sind bereits davongezogen und wer den französischen Meister Bordeaux gesehen hat musste neidlos erkennen, da wächst eine absolute Spitzenmannschaft heran.

Die italienische Serie A verkommt immer mehr zu Seniorenliga der längst fällige Generationswechsel wurde versäumt. Es geht nicht darum die Leistung von Bayern München in Turin zu schmälern, aber ich kann mich nicht erinnern, dass in einem „entscheidenden“ Europacupspiel jemals eine italienische Mannschaft zu Hause einen 1:0 Vorsprung noch 1:4 vergeigt hat.

Das eher behäbige, auf defensive Tugenden vertrauende italienische Spiel ist heute nicht mehr konkurrenzfähig. Perfekte Technik im hohen Tempo, nahezu fehlerfreies Kurzpassspiel und taktische Disziplin bis zum Schlusspfiff sind die Erfolgsgaranten der Gegenwart und Zukunft. Ob die Bayern das auch gegen die absoluten Spitzenklubs aus England, Spanien und Frankreich erfolgreich praktizieren können wird das Frühjahr zeigen. Spätestens dann werden wieder die Schwachstellen der Münchner gravierend zu Tage treten, dass einige Positionen wie Tormann, rechter Außendecker und Spielmacher nicht konkurrenzfähig besetzt sind. Aber vielleicht gelingt es bis dahin dem Trainer van Gaal den Bayern wenigstens Spielkultur und auch eine langfristige Spielphilosophie beizubringen. Sonst kommt sie wieder, die große Seuche, die derzeit anscheinend in Italien bereits besonders stark grassiert.