FAUL und FETT

Gerhard Klinger

Der Österreichische Ernährungsbericht, er erhebt den Wandel des Essverhaltens der Bevölkerung in den letzten fünf Jahren, liegt seit einiger Zeit vor. Die vom Gesundheitsministerium durchgeführte Untersuchung kommt zum Schluss: das Ernährungsverhalten in Österreich ist weiterhin verbesserungswürdig: wir essen zuviel (falsches) Fett und Salz, der Anteil der Kohlehydrate erreicht in keiner Altersgruppe die empfohlenen 55 Prozent als Haupt-Energielieferant des menschlichen Körpers (dafür ist der Zuckeranteil bei den Kohlehydraten entscheidend zu hoch), wir nehmen zu wenig Ballaststoffe zu uns und es gibt bedrohliche Mängel bei Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen.

Das Fazit ist aus gesundheitspolitischer Hinsicht beunruhigend, denn die evidente Zunahme an Übergewichtigen zum Jahre 2003 ist nicht auf die erhöhte Kalorienzufuhr zurück zu führen, sondern am verminderten Energieverbrauch durch wenig(er) Aktivität. Frau und Herr Österreicher bewegen sich zu wenig und dies vom Säugling bis zum Uropa.

Die Folgen für unser Gesundheitssystem werden innerhalb weniger Jahre an den ständig steigende Kosten für die Reparaturmedizin abzulesen sein. Die Folgekosten für die so genannten Zivilisationskrankheiten, verursacht durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel, werden kaum mehr finanzierbar sein.

Augenscheinlich ist auch und dies lässt die Interpretation der erhobenen Fakten zu, dass Frau und Herr Österreicher der „gesunde“ Hausverstand abhanden gekommen ist. Viel wird geredet, geschrieben und gesendet über die ausgewogene Ernährung und die Bedeutung von körperlicher Bewegung für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Körpers, allein die Realität sieht anders aus. Und es scheint so, als ob wir gar nicht verstehen, was es mit der Ernährung auf sich hat. Wir haben den „gesunden“ Hausverstand auf Urlaub geschickt, essen täglich Fleisch, obwohl wir Menschen keine „Fleischfresser“ sind, trinken zuckerhältige Limonaden die nicht in der Lage sind den Durst zu löschen, essen zu schnell, zu oft, zu viel und auch zu spät am Tag, meiden jede überflüssige Bewegung, sind als „Genussmenschen“ williges Opfer für alle Ess- und Getränke-Trends und ihrer Werbung, viele können und/oder wollen nicht mehr selbst kochen, wissen nicht um die Bedeutung der einzelnen Lebensmittel und wir können uns nicht vorstellen, dass unser Lebenswandel zu schweren Mängel an lebensnotwendigen, weil gesundheitserhaltenden Stoffen in Körper führen.

So ortet der Ernährungsbericht 2008 einen dringenden Handlungsbedarf beim Mineralstoff Kalzium, sowie bei Folsäure und Vitamin D. Als Kalzium-Räuber ausgeforscht wurden neben der „einseitigen“ Ernährung die Faktoren der Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Koffein sowie die seelischen Mithelfer wie Stress, Überlastung, Kummer und Aufregung.

Der aktuelle Ernährungsbericht sollte Anlass genug sein, für die Verantwortlichen in der Politik, endlich zu handeln speziell in der Bildungspolitik mit mehr Turn- oder Bewegungsstunden schon ab dem Kindergarten und einem Unterrichtsfach das sich unter den Sammelbegriffen „Lebens- und Ernährungskunde“ zusammenfassen lässt. Vielleicht wird dann der „gesunde“ Hausverstand, der zum Fabelwesen und Werbestar degeneriert ist, wieder aus dem Dornröschenschlaf wach geküsst.