ErmessensSPIELRAUM

Gerhard Klinger

Wegen des angeblichen Bestechungsskandals im Deutschen Handball, rund um den Champions League Titel von Rekordmeister THW Kiel soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein, soll der Handballsport in Zukunft von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden. Im Mittelpunkt der Affäre stehen angeblich bestochene Schiedsrichter, die für wohlwollende Pfiffe gesorgt haben sollen.

Wie immer in solchen Fällen gilt die Unschuldsvermutung, aber auf alle Fälle gibt es Seitens des THW Kiel Aufklärungsbedarf. Auch der Europäische Verband, die EHF hat bereits reagiert und einen Fragebogen an die Schiedsrichter verschickt, ob denn es jemals zu Bestechungsversuchen gekommen sei, wird darin blauäugig gefragt.

Als erste Konsequenz werden jetzt die Namen der Schiedsrichter bei Europacupspielen bis kurz vor Spielbeginn geheim gehalten. Dass diese eine mehr als zahnlose Aktion gegen befürchtete Bestechung ist zeigt die Praxis. Für Spiele in Ländern in denen selbst Handballschiedsrichter ein Einreisevisum brauchen und dieses bereits Wochen vorher beantragt werden muss, wo bleibt da die Geheimhaltung der Namen der Schiedsrichter.

Die ganze Misere um Bestechungsvorwürfe haben sich die Handballer selbst eingebrockt. Fakt ist das Ein Fußballschiedsrichter pro Partie zehnmal so viel verdient wie ein Handballschiedsrichter. Und es soll sogar im Handball Unparteiische geben die wohlwollende Pfiffe von sich aus den Vereinen angeboten haben, aber das ist ja nur ein Gerücht.

Noch schwerer wiegen im Handball andere Fakten, die Regeln. In den letzten Jahren wurde sukzessive der Ermessensspielraum der Schiedsrichter erweitert. Ohne mit dem Regelwerk in Konflikt zu kommen kann ein und dieselbe Situation völlig konträr entschieden werden. Zwischen Stürmerfoul gegen den Angreifer hin bis zum Strafwurf inklusive Zweiminutenstrafe für den Abwehrspieler, in diesem Ermessensspielraum kann jeder Unparteiische frei entscheiden. Als ehemaliger Bundesschiedsrichter wage ich sogar zu behaupten, dass es mir als Schiedsrichter theoretisch möglich wäre, ohne mit dem Regelwerk in Konflikt zu kommen, eine Partie zwischen zwei halbwegs gleichstarken Mannschaften auf das Tor genau enden zu lassen. Dass dies einige Schiedsrichter auch tun, wäre aber mehr als eine Unterstellung. Im Handball hat man sich mit dieser Allmächtigkeit der schlechtbezahlten Schiedsrichter abgefunden. Trainer, Spieler und Funktionäre versuchen gute Mine zum oft bösen Spiel zum machen und legen sich selten mit den pfeifenden Göttern an, wissend um ihre Allmacht.

In Kärnten geht es schon so weit, dass Schiedsrichter, die auch als Vereinstrainer arbeiten, Spiele ihrer Vereine leiten und während der Pfiffe sogar Anweisung an ihre Spieler geben. Dass der Verband dabei tatenlos zusieht stimmt nicht. Jener Schiedsrichter-Kollege der diesen Missstand anprangerte wurde wegen Nestbeschmutzung aus dem Pfeif-Verkehr gezogen. Dabei hätten die Kärntner Verbandsfunktionäre allen Grund zum Eingreifen, wenn man sich die Ergebnisse gewisser Spiele ansieht. Vielleicht helfen auch Alkoholkontrollen vor dem Spiel und eine ständige Beobachtung der Spiele, die mehr als dürftigen und auch einseitigen Schiedsrichterleistungen zu verbessern.