Die FROSCHküsser

Gerhard Klinger

Wer kennt ihn nicht, den Stoff aus dem die Märchen, Träume und Hollywoodfilme, sind. Der, ach so armen, Titelfigur wurde vom Schicksal so richtig fies mitgespielt. Die böse Stiefmutter, der gemeine Arbeitskollege, der korrupte Finanzberater, die herzlose Umwelt, die schwere Kindheit, die unsoziale Gesellschaft oder was weiß ich was für ein Sündenbock dafür herhalten muss, haben dafür gesorgt, dass besagte Titelheld(inn)en am Rande des Abgrunds stehen und nicht mehr weiter wissen.

Und wenn man/frau glaubt es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Prinz daher. So steht es zumindest in den Märchen geschrieben.

Wie viel Wahrheit steckt in diesen Märchen? Relativ wenig, denn hinter jeder realen Erfolgsstory steckt eine Anfangsniederlage, eine bittere Erfahrung, eine Demütigung, welche die Betroffenen fast verzweifeln lässt. Die oft zitierte Bilderbuchkarriere amerikanischen Stils – vom Tellerwäscher zum Milliardär – die gab und gibt es wirklich, heute noch und zwar jeden Tag.

Das Leben besteht bekanntlich, auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, aus zwei Polen. Diese Bi-Polarität ist dafür verantwortlich ob wir an solchen Niederlagen zerbrechen, oder ob wir an ihnen wachsen.

Gewiss, zwischen Kampf und Flucht gibt es noch eine dritte, allerdings nur theoretische Möglichkeit, die des Totstellens, aber wer kann schon die Zeit anhalten durch Nichtentscheidungen?

Es liegt letztendlich nur an uns, ob wir uns resigniert vor der Welt davonstehlen und im stillen Kämmerchen unsere Wunden lecken, oder gestärkt aus einem Konflikt hervorgehen und der Welt die Stirn bieten.

Das Warten auf den Prinzen, der Aschenputtel auf sein weißes Pferd hebt um dann mit ihr in den goldenen Palast zu reiten, zahlt sich nicht aus. Um die Zeit zu verkürzen, die in Erwartung dieses Weltwunders wahrscheinlich ganz sicher vergehen wird, empfiehlt es sich zusätzlich Frösche zu küssen, es könnte ja da auch ein verwunschener Prinz dabei sein. Aschenbuttel und Froschkönig haben aber, und dies wird wohl gerne übersehen, nicht passiv auf ihr Glück gewartet, sie haben ihr unbefriedigendes Dasein selbst in die Hand genommen. Aschenputtel hat sich im Palast eingeschlichen, der Froschkönig hat sich durch eine Abweisung durch die Königstochter nicht entmutigen lassen. Und da wird behauptet „nur“ Kinder brauchen Märchen ….