BLACK or white?

Gerhard Klinger

Der Superstar der Popmusik, der „King of Pop“ Michael Jackson ist tot. Die Musikwelt trauert um einer ihrer auffälligsten und umstrittensten Persönlichkeiten. 750 Millionen Tonträger verkaufte er zu Lebenszeiten, jetzt werden wohl noch ein paar Millionen folgen. Wenige Tage vor Beginn einer Comeback-Tournee „This Is It“, die am 13. Juli in London beginnen sollte, ist Michael Joseph Jackson im Ronald Reagan UCLA Medical Center, in das er mit Herzstillstand eingeliefert wurde, verstorben.

Zugegeben, Michael Jackson war in meiner persönlichen Musikwelt keine feste Größe, seine Musik, welche die Massen begeisterte, war nie die meine. So richtig Notiz genommen habe ich „Jacko“ durch seine Schlagzeilen als mutmaßlicher Kinderschänder, als Versuchsobjekt von Schönheitschirurgen und seiner gespaltenen Persönlichkeit, die ewig Kind bleiben wollte.

Hinter diesem Kinderstar, dessen Kindheit von Drill und Disziplin und körperlicher Züchtigung durch den Vater geprägt war, vermutete ich immer ein menschliches Wrack, ein Opfer von karrieregeilen, lieblosen Eltern, geldgierigen Managern und unmenschlichen Ausbeutern.

Die Hochzeit mit Lisa-Marie, der Tochter von Elvis Presley, hat mich zuerst etwas überrascht, die Vermutung, dass dahinter nicht viel mehr als ein PR-Gag stecken könnte um von „anderen Dingen“ abzulenken wurde zwar von vielen Kritikern geteilt, allein der Beweis wurde nie erbracht.

Mit Gänsehaut erinnere ich mich an einen der dümmsten öffentlichen Auftritte von Michael Jackson 2002 in Berlin, als er vor laufenden Kameras internationaler TV-Stationen seinen Sohn wie ein Stück leblose Materie mit einer Hand über einer Balkonbrüstung hielt. Da wusste ich dieser Mann ist nicht im Besitz seiner geistigen Kräfte, ohne soziale Kompetenz ohne emotionale Intelligenz, ein schizophrenes Musikgenie, das Opfer einer mörderischen Musikindustrie.

Im Neverland seinen Kinder-Traumschloss lebte er seine infantile Persönlichkeit aus umgab sich mit minderjährigen Spielkameraden. Der Verdacht sexueller Übergriffe und die Vermutung Jacko könnte pädophile Neigungen haben lies nicht lange auf sich warten. In einem Jahrhundertprozess wurde er schließlich freigesprochen. Den Verdacht, er habe ich den Freispruch erkauft konnte das Jackson Management nie ganz ausräumen. Dazu passt auch das Gerücht Jacko musste deshalb auf Comeback-Tournee gehen, da er quasi pleite war. Pleite bei 750 Millionen verkauften Tonträgern?

Wie grausam die Menschheit, die Gesellschaft gegenüber Kindern sein kann lässt sich aus Michael Jacksons Lebenslauf herauslesen. Ein musikalisches Wunderkind, getrieben von einem übereifrigen, besessenen Prügelvater, ausgenutzt von einer tantiemengeilen Musikindustrie, hat seinen Abgang von der irdischen Bühne gemacht. Ein musikalisches Wunderkind, dass nie Kind sein durfte, dessen Persönlichkeit von Geschäftemachern gebrochen und zerstört wurde, das als Erwachsener vergeblich Schutz suchte in seiner kindlichen Traumwelt. Ein musikalisches Wunderkind degradiert zum Wirtschaftsfaktor, das nie seine menschlichen Züge weiterentwickeln konnte und sich so sehr in seiner schizophrenen Welt verirrte, dass es im reifen Alter „erbleichte“. Dabei heißt es doch in einem von Michael Jacksons Liedern“ „I don`t matter if you are black or white“, doch diese Zeile galt wohl nicht für Jacko selbst.