AUSzeit

Kärntens -  ob der Fülle und Dotierung seiner Referate -  mächtigster Landesrat Josef Martinz hat also seine politischen Ämter zurückgelegt. Als Konsequenz einer zu erwartenden Anklage in der Causa Birnbacher.
„Stolpert“, der von einem Teil der Kärntner Bauernschaft abfällig „Jausenseppl“ genannte, ÖVP-Landesrat just über zwölf Seiten eines vom Steuerberater  Dietrich Birnbacher verfassten Gutachtens, das in erster Instanz eine Million pro Seite gekostet hat?  Muss der ehemalige Bürgermeister von Ossiach eine Suppe auslöffeln, die ihm der tödlich verunglückte Landeshauptmann Jörg Haider einbrockte, oder ist Josef Martinz „nur“ ein Opfer des Systems?
Dieses System, das in Wirtschafts-, Bank- und Finanzkreisen Gesetz ist,  schanzt Gutachtern wie Dietrich Birnbacher für einen zwölfseitigen seitigen Bericht ein Honorar von 100.000 Euro zu plus ein Körberlgeld von 1,5 Prozent in manchen Fällen sogar drei Prozent  vom Verkaufserlös oder Streitwert zu. Wer ist nur der Verbrecher? Der, der kassiert? Der, der dieses den guten Sitten widersprechende Honorar auszahlt? Oder doch nur ein heute unmoralisch erscheinendes System, dass von ihren Nutznießern, aus welch` niedrigen Motiven auch immer,  nicht beseitigt wurde.
Josef Martinz ist also jetzt nur mehr Parteiobmann einer kränkelnden ÖVP, die intern mehr Probleme macht, als die ehemalige Arbeit als Landesrat. Der „Jausenseppl“ hätte jetzt also genug Zeit seine dahinsiechende Gesinnungsgemeinschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Es gilt die verkrusteten bündischen Strukturen aufzuweichen, ein zeitgemäßes Parteistatut zu installieren und wieder zu einer Partei des Volkes zu werden. Allein in der Stadt Wolfsberg sind den „Schwarzen“ in letzter Zeit der Klubobmann und ein Stadtrat, der auch Bezirksparteiobmann war, abhanden gekommen. Schuld an diesem Personalschwund soll eine "unerwünschte" Gemeinderätin sein, gegen die mit Biegen und Brechen ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet wurde, das nun schon über ein Jahr dauert und nicht nur rein rechtlich eine Farce ist.

An der Parteibasis der ÖVP im Lavanttal rumort es gewaltig. Die ÖVP-Frauen, die sich solidarisch hinter die vom Ausschluss bedrohte Gemeinderätin Heidrun Traußnig gestellt haben, drohen bereits sich zu verselbstständigen und der Mutterpartei den Rücken zu kehren. Die ÖVP der Bezirkshauptstadt Wolfsberg ist auf dem Weg der weiteren Selbstverstümmelung.

Aber auch im Westen Kärntens hat erst unlängst die ÖVP-Mandatarin Birgit Zankl alle politischen Funktionen als Ortsobfrau, Gemeinderätin, Wirtschaftbundobfrau, in der  Frauenbewegung und in der Bezirkspartei  zurückgelegt. Josef Martinz hätte in seiner „Auszeit“ als Landesrat genug zu tun und zwar in seiner Funktion als Landesparteiobmann der ÖVP.