ALLEINerzieherINNEN

Gerhard Klinger

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass heranwachsende Kinder beide Elterteile brauchen um sich zu sozialkompetenten Persönlichkeiten entwickeln zu können. Zwar gehen in den heutigen ein-Kinder-Partnerschaften häufig die männlichen Bezugspersonen verloren, denn wenn Beziehungen in die Brüche gehen, dann übernehmen hauptsächlich die Mütter die Alleinverantwortung. Väter sind dann oft nur mehr stundenweise geduldete Erziehungsverantwortliche, wenn sie denn überhaupt noch Lust haben in die Erziehung ihrer Sprösslinge einzugreifen.

Psychologen haben in Studien nachgewiesen, dass das Fehlen von männlichen Bezugspersonen in der Erziehung, vor allem für die Söhne, sehr belastend sein kann. Es ist ein erhöhtest Risiko feststellbar, dass der männliche Nachwuchs aggressiv, verhaltensauffällig und gar kriminell werden kann.

Kinder haben ein Recht auf beide Elternteile, wie sonst können sie lernen sich in der bipolaren Welt - die weder männlich noch weiblich -sondern eben bipolar ist, zu recht zu finden.

Worum es im Leben wirklich geht, zeigt eine Versuchsreihe mit Affen. Das Zusammenleben in Gruppen erfordert Hierarchien, Regeln und besonders Führung. Was haben nun Tierforscher bei der Beobachtung des Sozialverhaltens von Pavianen festgestellt?

Es zeigte sich, dass nicht die aggressivsten oder körperlich stärksten Paviane zu den Herrschern in ihrem Rudel aufstiegen, sondern jene mit dem intelligentesten Sozialverhalten. Diese soziale Kompetenz lernen sie ausschließlich von ihren Müttern. Diese sozial bestens geschulten Führer zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Lage sind Zweck-Koalitionen einzugehen und sich viele Freunde zu schaffen. Im Ernstfall können sie auf die Hilfe dieser Freunde rechnen, wenn zum Beispiel aggressive Eindringlinge das Leittier bedrohen. Diese und andere Tierstudien beweisen, dass nicht das Vorbildverhalten der dominanten Väter, sondern das kluge Sozialverhalten der Mütter, für den sozialen Status in der Gruppe verantwortlich ist.

Weder das Patriarchat noch das Matriarchat haben den Anspruch darauf als „richtige“ Gesellschaftsform zu gelten, denn es gibt keine reine Frauen-, aber auch keine reine Männerwelt, auch wenn manche Religionen und Gesellschaftsformen mit Gewalt an ihrer Umsetzung in der Vergangenheit arbeiteten und es auch in Zukunft versuchen werden.

Das Weibliche gehört zum Männlichen, das eine ist ohne das andere gar nicht möglich. Gefährlich wird es nur, wenn es einen Wettbewerb zwischen den beiden Geschlechtern gibt. Es kann keinen Sieger geben, nur Verlierer. Im Problemfeld der ALLEINerzieherINNEN sind es die Kinder. Weder die „Müttersöhnchen“ noch die „Elefanten im Porzellanladen“ haben die, für das harmonische Zusammenleben zwischen den Geschlechtern dringend notwendige, Sozialkompetenz.