AbgeWIRTSCHAFTet

Gerhard Klinger

Jetzt, nach dem Bürgermeisterwechsel in der Landeshauptstadt, kommt die Wahrheit endlich ans Licht. Klagenfurt ist mehr oder weniger pleite, muss jährlich 15 bis 20 Millionen Euro einsparen um das Stadtbudget zu sanieren.

Der Tag der politischen Abrechnung ist mit der Stichwahl um den Bürgermeister bereits Historie. Harald Scheuer geht als der Bürgermeister, der die Fußball Europameisterschaft nach Klagenfurt brachte, in die Geschichte ein, der trotz oder gerade wegen dieses Jahrhundert-Events  abgewählt wurde.

Experten und auch Personen mit einem gesunden Hausverstand haben vergeblich vor diesem größenwahnsinnigen Projekt gewarnt. In einer Stadt mit nicht einmal 100.000 Einwohnern ein Stadion für 30.000 Zuschauer zu bauen, noch dazu in einem sensiblen Wohngebiet, diese  Entscheidung hat die Lawine losgetreten, an deren Folgen die Klagenfurter Bevölkerung noch Jahrzehnte zu knabbern haben wird.

Dass die Gartenstadt am Wörthersee von anderen Landeshauptstädten, wie Graz und Linz, ob der EM-Spiele beneidet wurde, wie Ex-Bürgermeister Scheucher immer wieder betonte, hält einer realistischen Betrachtungsweise nicht Stand.

Der „Pfusch“ rund um den Stadionbau wird schon allein bei den Themen Rückbau, zukünftiges Fassungsvermögen und Rasenheizung deutlich sichtbar.

Die neue Stadtregierung hat einen Kassensturz gemacht und die Zahlen lassen nur einen Schluss zu. Unter Bürgermeister Scheucher wurde abgewirtschaftet, für dringend notwendige Infrastrukturprojekte fehlt in den nächsten Jahren das Geld. Neue Eishalle, neues Hallenbad und Fertigstellung des Ballsportkompetenzzentrums sind in Weite ferne gerückt, ebenso unsicher ist die Lage rund um den Neubau eines Fernheizkraftwerkes.

Dass Klagenfurt 35 Prozent seines Budgets für Personalkosten ausgibt passt bestens zur sorglosen Wirtschaftspolitik der letzten Jahre. In anderen vergleichbaren Kommunen sind es durchschnittlich fast zehn Prozent weniger.

Der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider war von der Idee beseelt Kärnten zur führenden Region im Alpen-Adria-Raum zu machen mit Klagenfurt als Hauptstadt. Ein Stadion hätten wir, auch wenn die Gefahr groß ist, dass es demnächst, ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen, keinen erstklassigen Fußball mehr geben wird. Ein überdimensionales Krankenhaus steht zumindest im Rohbau ebenfalls schon da, das einer Alpen-Adria-Metropole gerecht sein würde. Nur Klagenfurt ist eine Kleinstadt mit 90.145 Einwohnern (Stand Volkszählung 2001) die an „Großmannsucht“ leidet. Diese „Krankheit“ zu kurieren bleibt den politischen Erben von EM-Bürgermeister Scheucher vorbehalten.