VerTROTTELt

Gerhard Klinger

Der Mensch gilt nach eigenem Ermessen als das intelligenteste Lebenswesen auf dem Planeten Erde. Der Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch ist allerdings ein deutlicher Beweis, dass dem nicht so ist. In Sachen Ernährung vergisst der homo sapiens bereits seit Jahrtausenden seine Intelligenz einzusetzen. Was haben die Ernährung und der Aschermittwoch miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, aber jeder Einzeller ist in Sachen Ernährung intelligenter als der Mensch.

Unserer Intelligenz verdanken wir Menschen die Nutzung von Werkzeugen und die Verwendung des Feuers worum uns viele andere „niederere“ Lebewesen wahrscheinlich beneiden würden, wenn sie es nur könnten, denn auch Neid ist der höchsten Intelligenz auf der Erde vorbehalten.

Wozu hat der Mensch in den letzten Jahrtausenden seine „Intelligenz“ genutzt und zwar in Bezug auf die Nahrungsbeschaffung und die Ernährung im Besonderen?

Betrachtet man den homo sapiens näher indem man sein Gebiss und seinen Verdauungstrakt – hier speziell die Länge des Dünndarms - analysiert, so müsste jeder Biologe zur Erkenntnis gelangen, dass wir eigentlich Pflanzenfresser sind.

Vor mehr als zweitausend Jahren als Mitteleuropa hauptsächlich von germanisch-keltischen Stämmen bevölkert war, versuchte ein gewisser Gaius Julius Caesar diese Barbaren zu besiegen und bezog trotz zahlenmäßiger Überlegenheit und der besseren Ausrüstung in waffentechnischer Hinsicht fürchterliche Prügel. Schriftlich festgehalten in „de bello gallico“ und für die dem Lesen nicht so kundigen Menschen, in den Asterix Hefteln. Ausgrabungen haben es bestätigt, diese barbarischen Germanen waren Vegetarier, denn man fand bei Küchenabfällen niemals Knochen. Das lässt den Schluss zu, dass, Falls es damals noch keine Burgers, Fischstäbchen oder Chicken-Nuggets gab, diese scheinbar Unbesiegbaren ernährten sich ausschließlich von Pflanzen, wobei Eicheln, die Früchte des Eichenbaumes, das Hauptnahrungsmittel waren. Caesar beschrieb die keltischen Kämpfer als überaus stark, ausdauernd und kälteunempfindlich, denn sie kämpften fast nackt. Skelettfunde germanischer Krieger aus dieser Zeit bescheinigen auch eine Körpergröße von über zwei Metern.

Die körperlichen Unterschiede zwischen den germanischen Völkern des Nordens und den romanischen, etruskischen Stämme des Mittelmeerraumes auf rassenspezifische Eigenheiten zu differenzieren wäre einfach, ist aber schlichtweg falsch. Es war die Art der Ernährung und das Wissen um die Zusammenhänge in Sachen Körperpflege.

Während die Römer bereits das Werkzeug und das Feuer für die Nahrungsbeschaffung und Nahrungsverarbeitung nutzten und den Genuss des Weines jenem eines verseuchten Wassers vorzogen, lebten die Germanen von Pflanzen, Früchten und Nüssen tranken Quellwasser und reinigten sich jedes Jahr im Frühling wochenlang in Bädern, die heute noch als „Jungbrunnen“ in unserem Sprachgebrauch auftauchen.

In biochemischer Hinsicht gab es einen ebenfalls deutlichen Unterschied zwischen den beiden Kulturvölkern. Auf der einen Seite die „sauren“ Römer, auf der anderen die „basischen“ Germanen. Leider ist heute der Mensch in unseren Breiten vom ph-Wert her kein Germane sondern ein echter Römer.

Wir trinken säurehaltige Getränke oder Getränke die bei der Verdauung zusätzlich Wasser brauchen, wir nehmen hauptsächlich tierische Eiweiße zu uns, die ebenfalls Wasser zur Verdauung brauchen, wir frönen Suchtgiften wie Alkohol, Nikotin und Koffein und merken dabei nicht einmal, dass sie zusätzlich zur schädigenden Wirkung dieser Nervengifte unserem Körper systematisch Wasser entziehen. Wir sind schon so vertrottelt, dass wir auch saure Reinigungsmittel und Cremes verwenden anstatt basische Produkte, die mithelfen dem Säureüberschuss im Körper zu begegnen.

Der „westliche“ Mensch des 21. Jahrhundert braucht über 30 Prozent seiner Körperenergie um sich gegen die ständigen, ernährungsbedingten Säureattacken auf seinen Organismus zu wehren, um die durch den Fleischkonsum eingenommenen Leichengifte tierischer Kadaver unschädlich zu machen.

Kommen wir wieder zurück zu den germanisch-keltischen Gegnern von Julius Caesar. Sie waren den Römern körperlich überlegen und wurden auch über 100 Jahre alt. Die Christianisierung und die schleichende Zivilisierung mit Fleisch und Wein erst hat aus den „unbesiegbaren Galliern“, wie Caesar sie nannte, ebenbürtige, schlagbare Gegner gemacht.

Das 40-tägige Fasten vor Frühlingsbeginn stammt wie das Osterfest aus dem heidnischen Kulturkreis der Kelten und Germanen, es diente zur Reinigung des Körpers und der Befreiung des Geistes von den Giften, die der Körper im Laufe des Jahres selbst bei den barbarischen Vegetariern angesammelt hat. Die Fastenzeit sollte eigentlich der Sieg der Intelligenz über den Körper sein …