11.05.2009 Vitamin gegen Herzkreislauferkrankungen

Die österreichische Bevölkerung isst zu viel, zu süß, zu fett und  zu salzig. ÖsterreicherInnen trinken zu viel Alkohol, essen zu viel Fleisch, essen dafür zu wenig Fisch, zu wenig Obst und Gemüse, trinken zu wenig (Trink)Wasser, nehmen zu wenig Ballaststoffe zu sich und auch zuwenig Nährstoffe. Dazu kommt noch: wir machen zu wenig Bewegung. Zu diesem vernichtenden Ergebnis kommt der österreichische Ernährungsbericht 2008.

Besonders signifikant ist, und dies in allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten, der Mangel an Folsäure. Folsäure noch nie gehört? Womit wir beim nebensächlichen Hauptthema des Ernährungsberichtes wären, den ebenfalls festgestellten Mangel an Ernährungswissen.

Was ist eigentlich diese Folsäure und welche Bedeutung hat sie für den menschlichen Körper? Folsäure ist ein hitze- und lichtempfindliches, wasserlösliches Vitamin aus dem B-Komplex und ist hauptsächlich für die Bildung von roten Blutkörperchen im Knochenmark zuständig, spielt also bei allen Wachstumsprozessen und Zellenbildungen (besonders in der Schwangerschaft) eine wesentliche Rolle.

0,4 Milligramm täglich

Da Folsäure fast ausnahmslos nicht vom Körper selbst gebildet werden kann, muss dieses B-Vitamin ständig mit der Nahrung aufgenommen werden. Der tägliche Bedarf liegt bei 0,4 Milligramm, schwangere Frauen und stillende Mütter brauchen etwa 0,6 Milligramm, ebenso wie Kinder im Wachstum und ältere Menschen.

Um diesen Tagesbedarf an 0,4 Milligramm Folsäure abdecken zu können müssen wir täglich 200 Milliliter Vollmilch und 250 Gramm Erdbeeren und 150 Gramm Putenbrust und 100 Gramm Feldsalat essen. Als gute Folsäurelieferanten sind auch Weizenkeime, Sojabohnen, Kichererbsen, Spinat, Karfiol, Kürbis, Kartoffel, Vollkornprodukte, Brokkoli, Karotten, Spargel und Tomaten sowie Marillen, Apfelsinen, Weintrauben, Papaya, Orangen,  Avocados und diverse Käsesorten wie Camembert und Gouda bekannt.

Womit wir bei den Ernährungsfehlern wären. Frau und Herr Österreicher essen täglich nur durchschnittlich 120 Gramm Brotgetreide. Um sich "ausgewogen" zu ernähren wären 200 bis 300 Gramm notwendig. Bei Obst und Gemüse wird die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene tägliche Verzehrmenge von 400 Gramm von den ÖsterreicherInnen bei weitem unterschritten. Allein diese Menge an Obst und Gemüse würde rund ein Viertel des täglichen Folsäurebedarfes abdecken.

Der Körper ist zwar in Lage Folsäure in der Leber zu speichern allerdings nur bis zu einer Menge von 15 Milligramm für etwaige Notfälle, die akute Mängel abdecken könnten. Doch mit unserem Lebenswandel ist es uns gelungen die Folsäuredepots nachhaltig zu entleeren, wie der im Ernährungsbericht diagnostizierte Folsäuremangel wohl eindeutig beweist.

Folsäure-Räuber

Als absolute Folsäure-Räuber entpuppen sich alkoholische Getränke und intensive Sonnenbestrahlung der Haut. Nicht gerade förderlich ist auch unser übertriebener täglicher Fleischkonsum. Anstatt der empfohlen Dosis von durchschnittlich 65 Gramm Fleisch pro Tag, konsumieren wir  Österreicher alltäglich 127 Gramm. Folsäure wird zum Abbau von Homocystein gebraucht, dass bei der Verstoffwechslung von Fleisch, beim Rauchen und auch Kaffeegenuss, entsteht. Dass Homocystein hauptverantwortlich für Herzkreislauferkrankungen und nach letzten Studien auch als Auslöser von Demenzerkrankungen gilt, beweißt zusätzlich wie wichtig die Folsäure für unsere Gesundheit ist.

Folsäure ist aber nicht gerade resistent gegen Umwelteinflüsse. Hitze, Wasser und Licht setzen diesem lebensnotwendigen Vitamin besonders zu. Falsche Lagerung und zerkochen im Kochtopf zerstört die empfindliche Folsäure in Gemüse und Obst. Kurzes Dämpfen oder Rohkost sind daher eher zu empfehlen.

Folsäureanreicherung

Da Folsäuremangel eine festgestellte  und bewiesene Zivilisationskrankheit ist haben die USA schon vor über zehn Jahren darauf reagiert. Seit Jänner 1998 werden Getreideprodukte mit Folsäure angereichert. Das präparierte Mehl enthält etwa 1,4 Milligramm Folsäure pro Kilogramm. Dem Bespiel der USA sind Kanada, Brasilien, Ungarn und andere nicht EU-Länder gefolgt. Ob und wann die Anreicherung von Mehl und anderen Nahrungsmitteln mit Folsäure im EU-Raum zugelassen wird steht derzeit noch in den Sternen.

Auch der Ernährungsbericht 2008 empfiehlt die Anreicherung von Lebensmittel mit Nährstoffen und/oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel um diese Mängel zu beheben.

Ernährungsumstellung

Allein eine Ernährungsumstellung, mehr Vollwertgetreideprodukte, Obst und Gemüse statt Fleisch, Kaffee und Alkohol kann mithelfen diesen Mangel an Folsäure mittelfristig zu beheben.

Bei dieser Umstellung der Ernährungsgewohnheiten fällt die Gefahr einer Überdosierung mit Folsäure weg, die allerdings erst bei 15 Milligramm - mehr kann der Körper nicht speichern - eintritt und allergische Reaktionen, Schlaflosigkeit und Nervosität hervorrufen kann.

Übrigens Folsäure ist auch in Rinder- und Geflügelleber enthalten genauso wie im Eigelb und in Nüssen. Sogar in Bier ist Folsäure enthalten, auch wenn der Alkohol ein Folsäure-Räuber ist.