Mit der Therapie auf den Hund gekommen

Ein ganz normaler Nachmittag unter der Woche. Die 30-jährige Dunja Leitgeb macht sich mit ihrem Clio auf den Weg von St. Veit nach Passering, holt dort sieben Kaninchen, drei Meerschweinchen, eine Katze und zwei Hunde ab und macht sich auf den Weg ins Pflegeheim „Hemmahaus“ in Friesach. Dunja ist „akademisch geprüfte Fachkraft für tiergestützte Therapie und Fördermaßnahmen“, umgangssprachlich auch „Tiertherapeutin“ genannt.

„Eigentlich wollte ich immer Tierärztin werden“, erzählt die gelernte Kindergärtnerin, die im Hauptberuf als Behindertenbetreuerin in der allgemeinen Sonderschule in St. Veit fungiert.

Pro Woche betreut Dunja mit  ihren Therapie-Tieren 120 bis 140 Menschen „mit erhöhtem Förderbedarf, alte und behinderte Menschen in Heimen“. Neben dem Hemmahaus in Friesach gehören das Haus Anna in Eberstein, das Franziskusheim in Klagenfurt, das Haus Klara in Maria Elend und die Bezirksaltenwohnheime in Tigring, Ferlach und Pischeldorf zur regelmäßigen Tour in Sachen Tiertherapie.

Tiertherapeutin

Die akademische Ausbildung zur „Tiertherapeutin“ erfolgte an der veterinärmedizinischen Fakultät in Wien und dauerte zwei Jahre. „Allein an Studiengebühren waren 5.000 Euro zu bezahlen, ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich das nie finanzieren können“, blickt Dunja auf ihre Ausbildung zurück. Dazu kamen noch je 500 Euro für die Ausbildung der Therapiehunde.

„Alle Therapietiere sind ständig unter tierärztlicher Kontrolle und nicht alle Tiere eigenen sich für die Therapie. Ich achte auch besonders darauf, dass die Tiere nicht in Stress-Situationen kommen. Ich habe 21 Kaninchen, die quasi im Turnusdienst arbeiten, je sieben werden gleichzeitig eingesetzt und haben dann zwei Tage Pause, die sie in den artgerecht eingerichteten Ställen bei meinen Eltern in Passering verbringen,“ gibt Dunja Einblick in ihren Job.

„Die beiden Therapiehunde Shelly und Chag-Pa, zwei Tibet Terrier, werden in der Einzeltherapie eingesetzt und dabei muss ich besonders aufpassen, denn nach spätestens zwanzig Minuten sind die Hunde fix und fertig. Ich muss ihre Körpersprache beobachten und im Notfall die Therapie sofort abbrechen, wenn die Hunde Stress ausgesetzt werden.“

Trotzdem macht Dunja die Arbeit unheimlichen Spaß. „Ich habe meinen Traumberuf gefunden. Mit Menschen und Tieren zu arbeiten war schon immer mein Traum. Ich kann aktivieren und motivieren, soziale Kontakte pflegen, den älteren Menschen helfen Fähigkeiten zu erhalten und Vergessenes wieder bewusst zu machen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man älteren und behinderten Menschen ein paar schöne Stunden bereiten kann, und ich bin froh, dass es in Kärnten schon sieben Betreuungsstellen gibt, die meine Dienste in Anspruch nehmen.“

Im Mai wird Dunja in St. Veit einen Therapiehundekurs abhalten und hofft, dass diese Art der Betreuung von Menschen mit erhöhtem Förderungsbedarf auch in Kärnten noch mehr Schule als bisher macht.

 

Blickpunkt 212 vom 7. Feber 2008