Fleischverzicht muss nicht sein

Dr. Friedrich Steinböck

Am Aschermittwoch hat sie wieder begonnen, die 40-tägige Fastenzeit der römisch-katholischen Christen. Abgesehen von der religiösen, spirituellen Dimension des Fastens, wie wirkt sich das Fasten auf den Körper, auf die Gesundheit aus? Ein Gespräch mit dem Facharzt für Innere Medizin Dr. Friedrich Steinböck, dem leitenden  Sportmediziner bei ALTIS im Kurbad Althofen.

Ist es aus medizinischer Sicht sinnvoll, gerade jetzt im Winter über fünf Wochenkein Fleisch zu essen?

Dr. Steinböck: Die Nahrung sollte ausgewogen sein, das heißt, wer neben wenig fettarmem Fleisch, Fisch, fettarmer Wurst, ausreichend Milch und Milcherzeugnissen auch reichlich Getreide und Getreideerzeugnisse – im Besonderen aus Vollkorn – Kartoffeln, Hülsenfrüchte, frisches Gemüse und Obst genießt, der isst vollwertig. Ein völliger Verzicht auf tierisches Eiweiß muss und sollte auch nicht sein. Besonders im Zeitraum Ende Winter/Anfang Frühling ist eine ausgewogene Mischkost zu empfehlen.

In der christlichen Tradition ist auch der wöchentliche Fasttag, der Freitag, verankert. Bringt ein wöchentlicher Fasttag ein besseres körperliches Befinden?

Dr. Steinböck: Ein wöchentlicher Fasttag bringt nichts. In der Realität wird an diesem Tag ja nicht gefastet, sondern die Kalorienmenge zu anderen Nahrungsmitteln verschoben.

Sind Fasttage oder eine ausgewogene Ernährung besser für den Körper?

Dr. Steinböck: Das Ziel sollte sein, seine Ernährungsgewohnheiten so einzustellen, dass eine ausgewogene Kalorienzufuhr, angepasst über das gesamte Jahr, gegeben ist.

Das Fasten richtet sich bei fast allen Religionen gegen den Verzehr von Fleisch. Was ist so negativ an übermäßigem Fleischkonsum?

Dr. Steinböck: Das Negative an zu großem Fleischkonsum ist, dass meistens dabei zu wenig Kohlenhydrate und Vitamine eingenommen werden. Besonders im Schweinefleisch sind vermehrt versteckte (nicht sichtbare) Fette eingelagert. Sinnvoll ist, dass zumindest zwei- bis dreimal pro Woche tierisches Eiweiß durch pflanzliches Eiweiß (Getreide, Nüsse, Hülsenfrüchte und vor allem Sojaprodukte) ersetzt wird. Gegen den täglich geringen Fleischkonsum wäre an sich nichts einzuwenden, jedoch die (Über)Dosis macht das Gift.

Stimmt es, dass die Ernährung auch einen großen Einfluss auf unserSeelenleben hat?

Dr. Steinböck: Der Einfluss auf das Seelenleben ist damit zu begründen, dass die Nahrungszufuhr wohl meist einen Genuss darstellt und oft mit schönen Erlebnissen und Empfindungen gekoppelt ist. Beim Frusthäppchen greift das weibliche Geschlecht vorwiegend zu Schokolade und fettreichen Speisen, um gezielt Glücksbotenstoffe im Gehirn freizusetzen. Beim Mann wirkt eher die Zufuhr von hochwertigem Eiweiß.

Und noch ein paar Tipps zur gesunden, ausgewogenen Ernährung ...

Dr. Steinböck: ... eine ausgewogene Ernährung sollte sich aus dem richtigen Verhältnis von Kohlenhydraten, Fett, Eiweiß und Vitaminen zusammensetzen und die Kalorienzufuhr ausgewogen, dem täglichen Bedarf angepasst sein. Elf Monate Völlern und einen Monat Fasten bringt nur eine zusätzliche Belastung für den Organismus durch die Stoffwechselumstellung, auch wenn man nach mehrtägigem oder mehrwöchigem Fasten das subjektive Gefühl hat, dem Körper etwas Gutes zu tun.

Blickpunkt 213 vom 28. Feber 2008

 

Wangenkuss besser als Händeschütteln

Körperliche Betätigung und Sport sind gesund, doch wer trotz eines fieberhaften Infekts trainiert, riskiert eine Herzmuskelentzündung. Dr. Friedrich Steinböck, Facharzt für Innere Medizin und ärztlicher Leiter im Zentrum für Sportmedizin Altis im Kurbad Althofen, gibt Auskunft zum Thema „Sport und Infekt“.

Glaubt man älteren Trainingsweisheiten, dann soll man einen Infekt durch Belastung herausschwitzen. Darf ich bei Infekten Sport betreiben?

Dr. Steinböck: Bei fieberhaften Infekten gilt absolutes Sportverbot. Zu groß ist die Gefahr einer Herzmuskelentzündung, die sich ausbilden kann. Das oberste Gebot ist absolute Ruhe. Bei einfachen, nicht fieberhaften Infekten ist Bewegung erlaubt, jedoch kein Training.

Warum darf man bei fieberhaften Infekten nicht trainieren?

Dr. Steinböck: Wenn jemand krank ist, braucht der Körper die gesamte Energie, um den Infekt zu bekämpfen. Wird trotzdem trainiert, verzögert sich die Infektheilung, ein Leistungszuwachs ist nicht möglich. Im Gegenteil, bestehende Leistung wird schneller und stärker abgebaut als durch körperliche Schonung.

Wie lange nach einem fieberhaften Infekt sollte kein Training durchgeführtwerden?

Dr. Steinböck: Als Grundregel gilt, dass pro Tag Fieber drei Tage absolute Ruhe notwendig sind.

Wann drohen Infekte?

Dr. Steinböck: Die Infektanfälligkeit steigt bei zu kurzen Erholungsphasen nach der Belastung, bei psychischem Stress. Infekte drohen besonders in der Entlastungsphase vor Wettkämpfen.

Wie kann ich Infekte bestmöglich vermeiden?

Dr. Steinböck: Die Hauptübertragung von Krankheitskeimen erfolgt über Handkontakt. Die Krankheitserreger werden durch Türschnallen und Händegeben übertragen, man fasst sich selbst ins Gesicht und wird mit den Keimen schon kontaminiert. Jeder Wangenkuss ist sozusagen hygienischer als das Händeschütteln. 

Gibt es sonstige Verhaltensregeln bei Infekten?

Dr. Steinböck: Neben der körperlichen Schonung spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Kohlehydrat- und eiweißreich sollte die Ernährung sein, Fette  sollten vermieden werden, da sie das  Kortison stimulieren und die Infektheilung verzögern. Nachgewiesen ist, dass Vitamine weder eine schnellere Heilung bewirken noch als Vorbeugung gegen Infekte wirksam sind.

Helfen Antibiotika?

Dr. Steinböck: 90 Prozent der Infekte, besonders bei Sportlern, sind viral bedingt und in der Regel nach drei bis sieben Tagen selbstheilend. Antibiotika helfen hier nicht. Die gängigen Medikamente, die bei Verkühlung eingenommen werden, wie Aspirin oder Parkemed, verlängern nachgewiesenermaßen die Krankheitsdauer. Die Medikamente greifen an den Blutgefäßen an und  ermöglichen so den Erregern eine schnellere und intensivere Ausbreitung im Körper.

 

Plötzlicher Herztod

Im Jahr 2002 gab es in Deutschland fast 500 Tote in der Gruppe der über 35-Jährigen bei der Sportausübung. Fast schon regelmäßig erreichen uns Nachrichten über den Tod junger Profisportler. Der plötzliche Herztod des Sportlers ist allgegenwärtig. Unser Experte, der Sportarzt und Internist Dr. Friedrich Steinböck, gibt Auskunft über dieses tragische Phänomen.

Man liest immer wieder vom Tod oft junger Sportler, was ist die Ursache?

Dr. Steinböck: Die Hauptursachen sind nahezu in allen Fällen angeborene (zum Beispiel verdickte Herzscheidewand) oder erworbene Erkrankungen des Herzens. Bei den erworbenen Schäden ist die Haupttodesursache bei Jugendlichen eine Herzmuskelentzündung nach Infekten. Wobei die Infekte sowohl die oberen Luftwege betreffen können als auch den Magen-Darm-Trakt. Hohes Fieber muss dabei nicht auftreten. 

Könnte man diese tragischen Fälle verhindern?

Dr. Steinböck: Zur Gänze leider nie. Durch exakte, abklärende Untersuchungen, wie sie bei uns im ALTIS routinemäßig bei jedem Sportler durchgeführt werden, kann man das Risiko jedoch deutlich senken. In unserem Institut werden bei jedem Sportler eine Herzultraschalluntersuchung, EKG und Labor durchgeführt. Primär geht es darum, angeborene als auch erworbene Herzerkrankungen auszuschließen. Die Sportler werden auch nach fieberhaften Erkrankungen mittels Herzultraschall nochmals kontrolliert, um Herzentzündungen so weit als möglich auszuschließen. Jung zu sein, bedeutet nicht automatisch auch gesund zu sein.

Allein in Deutschland hat es im Jahr 2002 knapp 500 Tote beim Sport gegeben,und zwar in der Generation 35+. Was waren hier die Ursachen?

Dr. Steinböck: Hier zeigte sich, dass nahezu alle Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingt waren. Das Tragische ist, dass all diese Erkrankungen erkennbar und auch behandelbar gewesen wären. Es erfolgten jedoch nur mangelnde oder keine abklärenden Untersuchungen. Gerade hier sieht man, wie wichtig ein exaktes Risiko-Screening, also eine umfassende Untersuchung zur Früherkennung von möglichen Krankheiten, wäre.

Wenn jemand an einer Herzerkrankung leidet, ist er dann vom Sport usgeschlossen?

Dr. Steinböck: Nein, im Gegenteil. Der Sport ist eine wichtige Therapiesäule. Es muss nur unbedingt die Intensität der Belastung festgelegt werden.

Was empfehlen Sie den Sportlern?

Dr. Steinböck: Jeder Sportwillige, egal, ob Breiten- oder Spitzensportler, sollte sich zumindest einmal, bevor er mit dem Training beginnt, hochspezifisch mit Herzultraschall, EKG, Labor und Belastungstest untersuchen lassen, um festzustellen, welche Belastung ihm gefahrlos zuzumuten ist. 

Blickpunkt 218 vom 8. Mai 2008