Blechmusik in Frack und Turnschuhen

Raimund Kirchheimer

„Die Blechbläser haben immer einen Scherz auf den Lippen, es gibt kaum einen ernsten Blechbläser, das sind ausnahmslos lustige Leute“, beschreibt Raimund Kirchheimer, Organisator des St. Veiter Brass-Festivals, die Brass-Musiker. Bereits zum Auftakt gibt es ein besonderes Highlight. Am Freitag, 18. Juli, gastiert das bekannteste Brass-Ensemble der Welt, „Canadien Brass“, im Fuchsplalast.

Wie ist es dir gelungen, das beste Brass-Quintett der Welt in die Herzogstadt zu bekommen?

Kirchheimer: Eigentlich wollte ich mich nur beim Management von „Canadian Brass“ erkundigen, ob es in Zukunft einmal möglich wäre, sie nach Österreich zu bekommen. Und wie es der Zufall wollte, das 1970 in Toronto gegründete Brass-Quintett befindet sich seit Anfang Juli in Europa und macht nach der Melos Brass Academie auf Corfu eine kleine Europatournee, die sie jetzt auch nach St. Veit führen wird.

Viele Menschen können mit dem Begriff Brass wenig anfangen. Was ist Brass-Musik eigentlich?

Kirchheimer: Brass ist keine Musikrichtung, kein Musikstil. Brass, das ist Musik, ausschließlich mit Blechblasinstrumenten gespielt. Beim Brass-Quintett gibt es zwei Trompeten, ein Horn, eine Tuba und eine Posaune. Ein großes Brass-Orchester umfasst an die 40 Musiker. Gespielt wird einfach alles, von der Klassik, Symphonien, Opernarien bis hin zu moderner Unterhaltungsmusik. „Canadian Brass“ haben bislang über 5000 Auftritte und Konzerte absolviert und über 60 Tonträger produziert. Ihnen ist es zu verdanken, dass Blechbläser auch in den großen Konzertsälen der Welt salonfähig geworden sind.

Und wie bist du zur Brass-Musik gekommen?

Kirchheimer: Mit zehn Jahren habe ich an der Musikschule St. Veit Tenorhorn zu spielen begonnen. Während des Studiums in Graz habe ich am Konservatorium Posauneunterricht genommen, das führte dann so weit, dass ich nach meiner Rückkehr nach Kärnten das „Double-Dutch-Brass-Quintett“ ins Leben gerufen habe, später dann das „Carinthian-Brass-Orchester“. Seit fünf Jahren gibt es nun schon das St. Veiter Festival, an dem ich in den ersten zwei Jahren als Musiker selbst teilgenommen habe.

Du bist auch Kapellmeister der Feuerwehrmusik Pölling. Ist Dir nicht in den Sinn gekommen, Berufsmusiker zu werden?

Kirchheimer: Meine Karriereplanung ist anders verlaufen. Ich wollte nie Musiklehrer werden, außerdem war ich dann schon zu alt, um umzuschwenken, als ich mich vermehrt für Musik zu interessieren begann. Ich möchte in Zukunft alljährlich zwei bis drei Kulturveranstaltungen wie das Brass-Festival und Ming-Battle, den musikalischen Wettbewerb im Boxring im Rathausinnenhof, in St. Veit machen. Dabei möchte ich auch die Region rund um St. Veit mehr und mehr einbinden. Daher wird heuer beim Brass-Festival ein Konzert im Kultursaal in Launsdorf stattfinden.

Wen können wir heuer alles beim Brass-Festival sehen und hören?

Kirchheimer: Neben den „Canadian Brass“, die, wie gewohnt im Frack und Turnschuhen auftreten werden, sind diesmal „Jon Sass“, „Da Blechhaufn“, „TaBRASSco“ und „Prophil Graz – The Brass Company“ zu Gast.

Blickpunkt 222 vom 10. Juli 2008