Der Musiktherapeut mit dem Erfindergeist

Seit über 22 Jahren tourt nun schon der Erfinder der integrativen Musiktherapie für Schwerstbehinderte, der gebürtige Salzburger Joseph Schörkmayr (53), mit dem „no problem orchestra“ durch die Welt. Über 5000 Konzerte wurden bereits absolviert. Der diplomierte Musiker (Mag.art.) und Psychologe (Dr. phil.) ist aber auch Erfinder, der bereits sechs Weltpatente auf den Markt gebracht hat.

Obwohl du in Kärnten lebst und das, „no problem orchestra“ aus Kärntnern besteht, habt ihr euch rar gemacht im Heimatland?

Schörkmayr: Wir haben den Großteil unserer Konzerte in den anderen Bundesländern und im Ausland und nur ca. jedes zehnte zu Hause. Die Band muss spielen, der Konkurrenzkampf ist härter geworden. In den letzten Monaten haben wir mit Oberkrainer Musik große Erfolge gefeiert. Aber ich kann schon jetzt versprechen, bei der Euro sind wir live dabei. Eine große deutsche Autofirma hat uns für Konzerte bei Fußball-EM-Spielen gebucht, und Deutschland spielt ja bekanntlich seine Vorrunde auch in Klagenfurt.

In welcher Hinsicht hat sich das von euch gespielte Musikprogramm in den letzten zwei Jahrzehnten geändert?

Schörkmayr: Heute spielen wir fast alles, von den Oberkrainern bis hin zu Miles Davis, von Klassik bis zu DJ Ötzi, und die Jungs lieben es, wenn es vom Rhythmus her etwas flotter, wilder dahingeht. Das Business ist brutaler geworden, wer uns bucht, will auch Leistung sehen. Unlängst in Wien haben wir sogar das Harry-Lime-Thema aus dem „Dritten Mann“ gespielt, unser Repertoire wird immer größer und vielseitiger.

Deine Musiktherapie ist mittlerweile anerkannt, ihr habt zahlreiche Preise und Awards gewonnen, das „no problem orchestra“ ist ein internationaler Begriff geworden, das war aber nicht immer so?

Schörkmayr: Zu Beginn der 90er-Jahre mussten wir eine kritische Phase durchmachen. Damals wurde Jörg Haider als Landeshauptmann abgewählt, und da wir auch vom Land Subventionen erhalten haben, wurden wir im Auftrag gewisser Gutmenschen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, die Polizei tauchte bei Konzerten auf, weil wir in Fünf-Sterne-Hotels abstiegen, und die Presse schrieb, dass Depperte auf der Bühne nichts verloren haben. Herausgekommen ist nichts, außer, dass eine Wiener Tageszeitung eine vierseitige Entgegnung bringen musste. Diese Vernaderung hat uns allerdings benahe die wirtschaftliche Existenz gekostet. Dank meiner Erfindungen und Weltpatente haben wir finanziell überleben können.

Dein letztes Weltpatent ist ein Zigarrenhalter, aber angefangen hat es mit einem behindertengerechten Keyboard, oder?

Schörkmayr: Ja, das no-problem-Keyboard Schörkmayr ermöglicht es Keyboard zu erlernen, ohne Noten kennen zu müssen, und ist ideal in der Musiktherapie zu verwenden. Für das Cigarix-Weltpatent, den Cigarrenhalter, habe ich 65.000  Euro hinlegen müssen. Eine Weiterentwicklung der Schnappix als Ersatz für Essbesteck ist in Vorbereitung. Derzeit führe ich Verhandlungen mit einer Firma in Simbabwe, die mir das Patent für Cirarix abkaufen will. Ich stehe dem positiv gegenüber, da es tote Materie ist und ich mich nicht mehr mit Patentklagen herumschlagen will, da in China und den USA der Cigarix illegal nachgebaut wird, und warte auf ein definitives Angebot. Laut Patentanwalt wird der Wert von Cigarix auf acht Millionen Euro geschätzt. Dabei habe ich damals keine Bank gefunden, die mir einen Kredit für die Produktion des Zigarrenhalters gegeben hätte.

Dann wirst du dich voll und ganz dem „no problem orchestra“ widmen und wieder Bücher schreiben?

Schörkmayr: Ein paar Jahre sicher noch. Es macht noch immer unheimlichen  Spaß, denn wer kann von sich behaupten, schon beim Papst, bei der Queen, vor der UNO-Vollversammlung, auf der Hochzeit von Catherine Zeta-Jones und Michael Douglas, im Weißen Haus bei einer Gartenparty von Bill Clinton, beim Fürsten von Monaco, auf allen Kontinenten gespielt und noch dazu noch unzählige internationale Preise abgeräumt zu haben, darunter den EU-Preis für die beste Musiktherapie Europas.

 Blickpunkt 209 vom 13. Dezember 2007