Bewegungsmotivation statt Drogen

Der Turnverein St. Veit/Glan 1883 feiert heuer sein 125-Jahr Jubiläum. Am 30. und 31. Mai steigt aus diesem Grund ein Jubiläumsfest auf dem Jahnturnplatz in St. Veit, bei dem auch die „Roletts“ aufspielen werden. Vereinsobmann Dr. Hannes Slamanig steht Gerhard Klinger über die bewegte Geschichte des St. Veiter Turnvereins mit dem aktuellen Wandel vom gewachsenen Traditionsverband zum überparteilichen, modernen Sportverein Rede und Antwort.

Turnvereine haben in unserer heutigen Gesellschaft noch immer einen etwas altbackenen Geruch einer Fahnenschwingergemeinschaft und werden politisch ins rechte Eck gedrängt. Wofür steht der Turnverein St. Veit?

Dr. Slamanig: Bei der Gründung des Vereins 1883 wurde als grundsätzlicher Vereinszweck festgehalten: „Gelegenheit und Anleitung zu geregelten Turnübungen zu geben als eines Mittels zur körperlichen und sittlichen Kräftigung sowie Pflege deutschen Volksbewusstseins. Alle politischen Parteistrebungen sind ausgeschlossen.“ Heute sind wir ein aktiver Verein modernster Prägung mit eigener Homepage, zeitgemäßen Statuten sowie Strukturen und haben mit deutscher Volkstumspflege nichts mehr zu tun. Geblieben sind die Grundwerte Gemeinschaftssinn, allgemeine Bewegungsfreude und das Bekenntnis zur nachhaltigen Jugendförderung. Bei uns tummeln sich gleich mehrere Generationen von Bewegungswilligen, vom eineinhalbjährigen Knirps bis hin bis zum 91-jährigen Urgroßvater.

Sie sind bekennender Sozialdemokrat und in der Landesregierung für grenzüberschreitende Tourismus- und Wirtschaftsprojekte zuständig. Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie die Obmannschaft beim St. Veiter Turnverein angetreten haben?

Dr. Slamanig: Einige werden sichwohl gewundert haben, dass der „Rote“ diesen landläufig als bürgerlich eingestuften Verein übernommen hat. Ich muss allerdings klar festhalten, dass mir vereinsintern im Zuge meiner fast 40-jährigen Zugehörigkeit (Knabenturn-Stadtmeister 1970 und 1971) nie ein parteipolitisches Wort zu Ohren gekommen ist. Mag sein, dass ich im Bestreben der letzten Jahre, dem Turnverein ein neues, zeitgemäßes Image zu geben, ein weiteres Stück zur Entpolitisierung sowie Positionierung des Vereins in der gesellschaftlichen Mitte unserer Stadt beigetragen habe.

Turnvereine waren und sind bekannt dafür, dass sie multisportive Inhalte anbieten, die Bewegung als solche in den Vordergrund stellen. Ist dies auch beim TV St. Veit so?

Dr. Slamanig: Ja, ganz sicher. Wir haben rund 500 Bewegungsfreudige (davon über 300 Kinder und Jugendliche), die vom Herbst bis ins Frühjahr allwöchentlich unsere Fitnessangebote in Anspruch nehmen, egal, ob es Geräteturnen, Sportakrobatik, Funktionsgymnastik, Aerobic, Callanetics oder Jazz-Dance ist. Dazu gibt es im Sommer Tennis, regelmäßige Radausfahrten und Bergwanderungen, Nordic Walking, Trekking- und Mountainbiketouren sowie
Schilanglauf und Schitouren im Winter. Mein persönlicher Lieblingstermin
ist dabei in der Hallensaison der Männergymnastikabend am Donnerstag mit Fußball bzw. im Sommer der gleichzeitig angesetzte Frauenstein-Lauftreff. Nicht zu vergessen die Alpen-Adria-Bewusstseinsförderung mit Berg- und Kanutouren sowie Kulturausflügen im Dreiländerbereich Kärnten/Slowenien/Italien, wodurch die Senza-confini-Idee nachhaltig gelebt wird.

Um Kinder und Jugendliche von Drogen und Bewegungsarmut fernzuhalten, gibt es auch eine Partnerschaft mit dem Lions Club St. Veit …

Dr. Slamanig: … dabei verfolgen wir das gemeinsame Ziel, insbesondere junge Menschen durch Bewegungsmotivation und Sportförderung vor schädlichen Faktoren, wie fehlendem Gemeinschaftssinn, Orientierungslosigkeit, übermäßigem Computergebrauch und in weiterer Folge steigender Drogengefährdung zu schützen. Deshalb steht auch unser vom Lions Club initiiertes Jubiläumskonzert am 30. Mai mit den „Roletts“ unter dem Motto „Sport gegen Drogen“.

 Blickpunkt 218 vom 8. Mai 2008