10.01.2010 Sieglos, aber drei Halbzeiten gewonnen

Sieglos blieb Österreichs Herren Handball Nationalteam in den letzten vier Testspielen vor der Heim-Europameisterschaft. Trotzdem, die Mannschaft von Teamchef Dagur Sigurdsson ist nicht chancenlos die Vorrunde – Österreich spielt in Linz gegen Dänemark, Island und Serbien – zu überstehen. Insgesamt wurden drei der acht Halbzeiten in diesen „Testspielen“ gewonnen: 17:13 gegen Deutschland, 16:15 Kroatien und 12:10 gegen Ungarn. Womit wir bei der absoluten Schwachstelle unserer Auswahl wären, der Konstanz. Wenn es gelingt in einer Partie zwei „anständige“ Halbzeiten abzuliefern, dann winkt die Zwischenrunde. Die zweite, in den Vorbereitungsspielen schonungslos aufgezeigte Schwäche, ist die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor. Viele Chancen wurden zwar erarbeitet, aber oft fehlte der Killerinstinkt diese auch zu verwerten. Wie kaum ein anderes Team in Europa versteht es Österreich gegnerische Torleute „gut“ aussehen zu lassen wie den Deutschen Silvio Heinevetter oder den Polen Slawomir Szmal.

Wenn Österreich im Spiel auf`s Tempo drückt stellen sich automatisch Torerfolge ein, wenn nicht gerade wieder ein Aufbauspieler glaubt ohne Wurfvorbereitung überhastet den Abschluss zu suchen. Unsere Auswahl ist nicht mit den Wurfkanonen aus der zweiten Reihe gesegnet wie andere Nationen muss sich also jede Torchance hart erarbeiten. Dies kostet enorme Kraft. Die rot-weiß-rote Auswahl muss mangels international üblicher Körpergröße und auch eines Defizits an Beweglichkeit in der Rückwärts- und Seitwärtsbewegung auch in der Abwehr kräfteraubend arbeiten um Tore zu verhindern. Meist reicht die Kraft aber nur für eine Halbzeit, siehe Vorbereitungsspiele. Eine Möglichkeit dieses Manko zu beheben, wäre mit den Energiereserven ökonomischer umzugehen, ständig und in kürzeren Intervallen zu wechseln, schließlich ist Handball eine Schnelligkeitssportart und nicht ein Ironman-Bewerb auch wenn der EM-Rhythmus von den Belastungs- und Erholungsphasen eher einem Ausdauer-Wettkampf gleicht.

Spätestens am 19. Jänner wenn Österreich sein Eröffnungsspiel gegen den amtierenden Europameister Dänemark bestreitet wird es ernst, dann muss unser Team Farbe bekennen, dann ist die Zeit der Experimente vorbei: Denn es ist nicht anzunehmen das Vitas Zirua oder Bernd Friede gegen den Titelverteidiger am linken Flügel einlaufen, Martin Abadir oder Mare Hojc nur Bankerlwärmer sein werden oder konzentriert sich Teamchef Sigurdsson ausschließlich auf die Spiele gegen Island und Serbien? Bei drei (Vorrunden) Spielen an fünf Tagen spielt auch die Taktik und das Haushalten mit den Kräften eine entscheidende Rolle.