Kärnten baut Kampf gegen Drogen, Alkohol und Co. aus

Foto: LPD / Eggenberger

Deutlich härtere Strafen für Drogendealer und Wirte, die gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoßen, forderte Kärntens Gesundheitsreferent LR Peter Kaiser im Rahmen einer Pressekonferenz bei der er gemeinsam mit der Leiterin der Landesstelle für Suchtprävention (LSP), Barbara Drobesch, eine Bilanz über die sechsjährige Tätigkeit der LSP zog und die neue Homepage www.suchtvorbeugung.ktn.gv.at als wertvolles Information- und Hilfsmedium präsentierte.

Grund für Kaisers Forderungen sei das Problem des Konsums illegaler Drogen, der allein 2009 schon drei Todesopfer gefordert hat, sowie der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen. „Offensichtlich reicht das derzeitige Strafmaß nicht aus, um Drogendealer vor dem Geschäft mit dem Tod abzuschrecken“, so Kaiser. Neben härteren Strafen fordert er auch einen verstärkten Einsatz der Polizei. Er habe als Gesundheitsreferent aber auch als Vater eines 14 jährigen Sohnes keinerlei Verständnis dafür, „dass die Drogenumschlagplätze jedermann und schon fast jedem Kind bekannt sind, und die Dealer trotzdem ihr Geschäft auf Kosten der Gesundheit anderer machen können!“

Wie beim Kampf gegen den Verkauf illegaler Drogen müsste auch beim unerlaubten Alkoholausschank an Kinder und Jugendliche strenger abgestraft werden und es deutlich schneller als bisher zu einem Lizenzentzug aber auch zu einem Arbeitsverbot des betroffenen Gastronomen kommen. „Es kann nicht sein, dass Wirte zum wiederholten Mal gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoßen und ohne Skrupel Geschäfte auf Kosten der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen machen“, kritisiert Kaiser scharf. Es müsse Schluss sein mit juristischen Tricks mit denen straffällig gewordene Wirte ihre Schanklizenz an andere abtreten und so trotzdem weiter Alkohol ausschenken können.

Als Gesundheitsreferent werde er alles unternehmen, um es gar nicht so weit kommen zu lassen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche dem Alkoholmissbrauch anheim fallen oder zu illegalen Drogen greifen. Deswegen fordert Kaiser eine deutliche finanzielle und personelle Aufstockung der Mittel für die Landesstelle für Suchtprävention, die in den sechs Jahren ihres Bestehens intensiv gearbeitet hätte, um über Aufklärung, Vorsorge und in Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrer, Schülern und Exekutive die Kärntnerinnen und Kärntner zu sensibilisieren und vor einem Konsum von illegalen Drogen zu warnen sowie zu einem maßvollen Umgang mit Alkohol anzuregen.

„Auch wenn die Erfolge aus der Arbeit der Landesstelle Suchtprävention nicht hundertprozentig wissenschaftlich messbar sind, gehen wir davon aus, dass wir allein durch die Öffentlichkeitsarbeit in den vergangenen sechs Jahren zwei Drittel der Kärntner Bevölkerung wiederholt erreichen konnten“, rechnet Kaiser vor. So wurden 1.500 Schulungen, 225 Elternabende und vier Fachtagungen durchgeführt. Allein an den knapp 230 Projekten nahmen mehr als 10.000 Personen, davon zwei Drittel Kinder und Jugendliche, teil. In einer Kooperation mit der Polizei wurden über das Projekt suchtfrei.ok 40 Kärntner Beamte im Hinblick auf Suchtprävention geschult. „Auch wenn tragische Einzelfälle nie verhindert werden können, ist jedes einzelne Kind, jeder einzelne Jugendliche, der vor den gesundheitsschädlichen Folgen oder dem Tod bewahrt werden kann, ein unbezahlbarer Erfolg“, so Kaiser.

Präsentiert wurde auch die neue Homepage www.suchtvorbeugung.ktn.gv.at, auf der alle Angebote der LSP übersichtlich und informativ aufgelistet sind und Betroffene wie Interessierte sich einen schnellen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten zur Suchtvorbeugung informieren können.

In Kärnten gibt es laut einer Market-Erhebung derzeit etwa 30.000 Alkoholkranke (70.000 sind stark gefährdet), 3.000 Spielsüchtige (15.000 sind stark gefährdet) und rund 1.500 Drogensüchtige (5.000 sind stark gefährdet). „Leider ist weder eine Gesellschaftsschicht noch eine Altersgruppe davor gefeit, in physische oder psychische Abhängigkeiten zu geraten. Der Auslöser kann vielfältig sein und schon die Jüngsten sind davon betroffen“, gibt Barbara Drobesch zu bedenken.

So liege das Einstiegsalter bei Zigaretten schon bei 13 Jahren. Sechs Prozent der Burschen, neun Prozent der Mädchen rauchen gelegentlich; 20 Prozent der 15jährigen rauchen täglich. Bereits zehn Prozent der Jugendlichen trinken regelmäßig, ebenso 41 Prozent der 15jährigen Burschen und 32 Prozent der 15jährigen Mädchen. Knapp 14 Prozent der 15jährigen haben bereits einen Joint also Cannabis  ausprobiert (HBSC-Studie 2006).

Die Arbeit der Landesstelle Suchtprävention ist auf vier wesentlichen Säulen aufgebaut:

-         Information (Vorträge, Seminare, Materialien, Öffentlichkeitsarbeit etc.)

-         Projekte (längerfristige Arbeitsschwerpunkte mit Kindergärten, Schulen, Gemeinden, Betrieben etc.)

-         Beratung und Krisenintervention (Coaching bei „Anlassfällen“ in Schulen und Betrieben, für Eltern und Erzieher etc.)

-         Konzeptarbeit (Entwicklung von speziellen Angeboten für Risikogruppen, wie z.B. Way out – für risikogefährdete Jugendliche)