31.01.2012 Förderrückzahlung gefährdet viele bäuerliche Existenzen

Die erwartet heiße Diskussion brachte am ersten Tag der St. Andräer Agrarwoche das Thema Almfutterflächenfeststellung 2011 und die damit verbundenen Rückzahlungen von Fördermitteln.
Jene die gehofft hatten, dass beim Alm- und Bergbauerntag der Vertreter der Agrarmarkt Austria (AMA) Licht ins Dunkel der Rückforderungen der Förderung von Almfutterflächen bringen kann wurden bitter enttäuscht. Manfred Ratzinger, der in der AMA-Zentrale in Wien für die Prüfungsdisposition zuständig ist verschanzte sich hinter den rechtlichen Bestimmungen: „Wir von der AMA sind nur privatangestellte Befehlsempfänger, müssen die Vorgaben die wir von der EU und der Politik bekommen umsetzen.“ Unwidersprochen blieb allerdings der von Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins Josef Obweger erhobene Vorwurf, dass drei AMA-Prüfer bei derselben Förderfläche zu drei verschiedenen Ergebnissen kommen.“
Unverrichteter Dinge abziehen musste auch ein Oberkärntner Landwirt, der als Obmann eines Almvereins 30.000 Euro an die AMA zurückzahlen muss, da die von ihm angegebenen förderbaren Almflächen nicht mit den neuersten Luftbildern, welche die AMA-Kontrollore verwenden übereinstimmen. Dabei hat der Obmann das erste Luftbild der betroffenen Alm erst 2010 bekommen und niemand ist dadurch geschädigt worden. Selbst Waltraud Wissik die für die EU-Förderungen in der Kärntner Landwirtschaftskammer zuständig Referentin ergriff Partei für jene Almbauern, die zur Rückzahlung von EU-Fördergeldern „verurteilt“ wurden. „Die Kärntner Bauern haben nichts gegen die Richtigstellung der Förderflächen, aber sie haben etwas gegen die Sanktionen, die teilweile existenzgefährdend sind“.
Anton Heritzer, der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer regte an, dass die AMA einen Strich unter die Causa Rückforderung von Fördergeldern aufgrund der letztjährigen Almfutterflächenfeststellung und erst in Zukunft Sanktionen setzen sollte. AMA-MItarbeiter Manfred Ratzinger verwies in diesem Zusammenhang auf die festgeschrieben Sanktionen, die seine Institution umzusetzen habe.
Karl Buchgraber, der Leiter des Institutes für Pflanzenbau und
Kulturlandschaft an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, warnte davor, dass die Bauern weiter das Vertrauen in ihre Interessenvertretung, die AMA und die Politik verlieren werden, wenn mit solchen Förderungen das Gegenteil erreicht davon wird was beabsichtigt wurde. Mit der Almfutterfeststellung wollte man ursprünglich den Bergbauern eine Entschädigung für ihre Arbeit als Landschaftsgestalter zukommen lassen. „Die Praxis beweist das Gegenteil. Die Rückforderungen betreffen 1.000 Almen mit 10.000 Bauern in ganz Österreich und gefährdet auf Dauer ihre Existenz“.
Heute wird die St. Andräer Agrarwoche mit dem Direktvermarktertag fortgesetzt. Einer der Tagesordnungspunkte ist die Präsentation der Juniorfirma des dritten Jahrganges der Landwirtschaftlichen Fachschule St. Andrä.