30.07.2014 Die "Aliens" sind da! (Prolog)

In Kärnten bereits heimisch, das drüsige Springkraut, ein invasiver Neophyt vom Himalaja.

Die biologische Invasion, die Einschleppung von Pflanzen die uns nicht heimisch sind, schreitet munter fort. Diese fremdländischen Blumen, Sträucher und Bäume breiten sich in unseren Ökosystemen mit rasender Schnelligkeit aus und verdrängen immer mehr heimische Pflanzenarten. Die sogenannten invasiven Neophyten, in Österreich gelten ein Viertel der 4.000 Gefäßpflanzen, das sind Gewächse die in ihrem Pflanzeninneren Wasser und Nährstoffe transportieren, als neophyth, also Pflanzen die sich in Gebieten ansiedeln in den sie vorher nicht heimisch waren. Diese „Aliens“ bevölkern unsere Gärten, sind neben Verkehrswegen und Gewässern zu finden und gefährden massiv die Artenvielfalt in der heimischen Pflanzenwelt.

Fast 40 der ungefähr 600 in Österreich vorkommenden „Aliens“ gelten als problematisch, sind gesundheitsschädlich bis giftig, haben negative wirtschaftliche Effekte, breiten sich bereits in land- und forstwirtschaftlichen Flächen aus und bedrohen das ökologische Gleichgewicht. Diese invasiven Neophyten haben keine natürlichen Feinde und sind noch dazu monodominant, alle anderen Pflanzen werden dabei in den „Schatten“ gestellt und sterben mit der Zeit ab. Die „Aliens“ werden durch diese Eigenschaft zu Alleinherrschern ganzer Landstriche. Es entstehen Monokulturen, die biologische Vielfalt, die sogenannte Biodiversität, bleit dabei auf der Strecke. Diese „Aliens“ haben noch eine weitere gefährliche Eigenschaft. Sie sind, wenn überhaupt nur schwer zu bekämpfen und vernichten als Nebenprodukt funktionierende Ökosysteme, zerstören dabei ganze Nahrungsketten und verdrängen heimische Nutzpflanzen. Dies wiederum führt dazu. dass hochspezialisierte Insekten wie zum Beispiel Wildbienen, viele Käferarten, aber auch Schmetterlingsraupen, die sich in einem Jahrtausende langen Evolutionsprozess an bestimmte Pflanzenarten angepasst haben werden dadurch in ihrer Existenz bedroht.

Zu diesen „Aliens“ gehören der Riesenbärenklau (Herkulesstaude), das drüsige Springkraut, der Staudenknöterich, die Süsskartoffel (Topinambur), die kanadische Goldrute, die Beifuß-Ambrosie, der Essigbaum, der Götterbaum, die wilde Lupine, die Robinie, der schlitzblättrige Sonnenhut um nur die „wichtigsten“ zu erwähnen. All diese Pflanzen haben eines gemeinsam. Sie sind eingeschleppt worden aus fernen Ländern. Die Süßkartoffel wurde zum Beispiel schon im 17. Jahrhundert als Nahrungspflanze eingeführt. Der Staudenknöterich stammt aus Ostasien. Das drüsige Springkraut kommt aus dem Himalaya und wurde 1915 als Gartenpflanze in Europa eingebürgert und begann bereits in den 1930er Jahren zu verwildern. Der Riesenbärenklau hat sein natürliches Verbreitungsgebiet normal am Kaukasus und war anlässlich des Wiener Kongress 1815 ein Geschenk von Zar Alexander I. an den österreichischen Fürsten Metternich. Viele der invasiven Neophyten wurden als Bienenweide aus fernen Ländern zu uns gebracht, quasi als Nahrungsspender für die Honigproduzenten oder einfach nur wegen ihrer schönen, farbenprächtigen Blüten.

Um im Straßenbau, speziell beim Bau von Autobahnen die Böschungen durch stark wurzelbildende Pflanzen zu befestigen wurden ebenfalls Neophyten verwendet, ohne ihre Gefährlichkeit für die heimische Pflanzenwelt in Betracht zu ziehen. Samen von Neophyten wurden aber auch durch Wildsaatmischungen und Vogelfutter eingeschleppt, die mit dem Erbgut dieser „Aliens“ verseucht waren. Viele Umweltschützer, Botaniker und Biologen sind heute bereits davon überzeugt, dass der Kampf gegen diese „Aliens“ bereits verloren ist. „Wir können nur mehr versuchen, diese Neophyten von unseren Gärten, den land- und fortwirtschaftlichen Nutzflächen und den Naturschutzgebieten fern zu halten“, meint dazu zum Beispiel Klaus Krainer der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz beim Amt der Kärntner Landesregierung. Was zusätzlich bleibt ist eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung, speziell der Kinder, über die Gefährlichkeit einiger dieser „Aliens“ für Mensch und Tier, denn zum Beispiel enthält der Saft des Riesenbärenklaus das Gift Furocumarine, das in Verbindung mit Sonneneinstrahlung zu schweren Verbrennungen führen kann. Und die Beifuß-Ambrosie produziert im Spätsommer aggressive Pollen, die zum Spätsommer-Heuschnupfen führen.

Fortsetzung folgt

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