29.06.10 Boykottierte internationale Handballkost

Das zweite Handballturnier  im Rahmen der United World Games in Klagenfurt ist Geschichte und hat auch „inoffizielle“ Kärntner Handballgeschichte geschrieben. Erstmals wurden Handballspiele im Sportpark Wörthersee ausgetragen und abermals boykottierte der Kärntner Verband und die sogenannten Spitzenklubs diese Veranstaltung.

Da spielen in Klagenfurt internationale Nachwuchsspitzenteams wie die männliche österreichische 94er Auswahl und die Kärntner Männer  Bundesligisten HCK und SC Ferlach und der Aufsteiger in die höchste Damenspielklasse, SG witasek Kärnten glänzen durch Abwesenheit. Die drei Kärntner Spitzenvereine haben mit ihren Kampfmannschaften wohl zu viel zu tun, da können sie sich nicht auch noch um den Nachwuchs kümmern.

Zwei Kärntner Mannschaften waren dennoch dabei. Alexander Peball vom SVVW nutzte die Chance und spielte mit „absolute beginners“ im U-14 Bewerb mit. Zwar verloren die „Frischlinge“ eine Partie sogar 5:42, aber der Trainerneuling scheute nicht den Wettbewerb und landete mit seinen Jungs sogar einen Sieg.

Misstöne gab rund um das Antreten der zweiten Kärntner Mannschaft bei den United World Games. Turnierleiter Gerfried Nagel hatte das „Team Kärnten 92“ kurzfristig als zusätzlichen Teilnehmer organisieren können. Mit dem jüngsten Kärntner Handballverein, der Handballschule Weinebene, wurde kurzfristig ein Team zusammengestellt. HCK-Nachwuchstrainer Oliver Andres trommelte jene Mannschaft zusammen, die im Vorjahr den U-18 Bewerb im Rahmen der United World Games gewonnen hatte. Aus Wien wurde Jakob Jochmann, aus Bruck Nationalspieler Martin Breg eingeladen, gespielt wurde mit SVVW-Dressen und der HCK versuchte von höchster Ebene „seinen Spielern“ die Teilnahme an diesem Turnier zu verbieten.

Gespielt hat die Mannschaft dennoch und kam auch ins Finale des U-18 Bewerbs, wo die 94er Auswahl Österreichs wartete. Im Gruppenspiel hatte es ein 14:14 Unentschieden gegeben im Finale gewann Österreich mit 12:10. Entsprechend der Vereinsphilosophie der Handballschule Weinebene spielte das Team Kärnten jedes Spiel mit einer offensiven 4:2 Deckung und brachte damit alle anderen Mannschaften in Verlegenheit. Womit wir bei der Analyse des Turniers wären.

Österreichs 94er Auswahl gewann zwar wie erwartet den U-16 und den U-18-Bewerb spieltechnisch blieb das Nationalteam viel schuldig. Gegen eine offensive Deckung fehlt es an taktischen und technischen, individuellen Voraussetzungen um die körperliche Überlegenheit auch resultatmäßig umsetzen zu können. Der Sieg im U-18-Finale über das Team Kärnten lag ausschließlich am größeren Kader und nicht an den handballerischen Fertigkeiten. Dass sich Österreichs Team den U-16-Titel geholt hat war logisch.

Einen Anschauungsunterricht über den bislang ist Österreich fast unbekannten bulgarischen Handball gab es im U-14 Finale. Der HK Varna zerlegte das slowenische Team von RK Drustvo Merkur Sofja Loka nach allen Regeln der modernen Handballkunst mit 22:12. Da waren alle Komponenten mit im Spiel. Eine aggressive, offensive mannorientierte Deckung im Raum, das Angriffspiel war auf die Schnittstellen der slowenischen Abwehr zugeschnitten, das Umkehrspiel und die Laufbereitschaft vorbildhaft.

Wohin sich der moderne Handball entwickelt zeigte im U-12 Finale Perchtoldsdorf. Während Alfred Konic, der Kärntner Trainer, als Finalgegner mit TV Gleisdorf auf die alten Tugenden des steirischen Krafthandballs setzte, spielten die Teufel aus Perchtoldsdorf die Steirer nahezu schwindlig. Der Mut zur konsequenten offensiven Deckung wurde eindrucksvoll mit 20:11 auch im Endspiel belohnt.

In den Endspielen der Mädchen-Bewerbe gab es ebenfalls richtungsweisenden Anschauungsunterricht in Sachen moderner Handball. Im U-16-Finale stand leider nur der Turniersieg um jeden Preis im Vordergrund. RK Naklo verteidigte mit einem „SC Ferlach 6:0“ und holte sich dank der körperlichen Überlegenheit den Sieg über das litauische Team von Garliava mit 13:6.

Bei den U14-Mädchen zeigte der HC Mizia bulgarische Handballkunst und gewann das Finale gegen Dornbirn knapp mit 14:13, auch hier war offensive Deckung und Angriff auf die Schnittstellen in der Deckung mehr als nur ein Fremdwort.

Bleibt das weibliche U-12-Finale zwischen Perchtoldsdorf und Wiener Neustadt. Das mit Abstand handballerisch beste Endspiel bei den United World Games. Perchtoldsdorf gewann ein spannendes und emotionelles Spiel knapp mit 6:5. Wiener Neustadt war körperlich klar stärker, doch die Mängel in individueller technischer Hinsicht waren unübersehbar. Die Devils aus Perchtoldsdorf, technisch bestens ausgebildet und wurftechnisch wesentlich besser, konnte ihre körperlichen Nachteile mit einer, für die Altersgruppe sensationellen, offensiven Deckung wettmachen und siegten glücklich, aber nicht unverdient.

Fotos United World Games 01

Fotos United World Games 02